Allianz-Versicherung will Milliarden in Infrastrukturprojekte pumpen

München (APA/Reuters) - Der deutsche Versicherungsriese Allianz steht nach eigenen Angaben bereit für milliardenschwere Investitionen in mar...

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München (APA/Reuters) - Der deutsche Versicherungsriese Allianz steht nach eigenen Angaben bereit für milliardenschwere Investitionen in marode Brücken und neue Windparks auf hoher See. „Wir würden gerne mehr machen, schließlich passen solche langfristigen Investments ideal zu uns“, sagte der für Kapitalanlage verantwortliche Vorstand Maximilian Zimmerer der Nachrichtenagentur Reuters.

„Es gibt in Deutschland einfach zu wenige privat finanzierte Infrastruktur-Projekte. Wir schauen uns zehn Projekte im Jahr an und setzen nur eines davon um.“ Bisher tummele sich die Allianz mangels Masse nur in Wind- und Solar-Projekten. Doch das reiche nicht aus, sagte Zimmerer.

Die Versicherer suchen angesichts niedriger Zinsen auf fest verzinsliche Kapitalanlagen händeringend nach Möglichkeiten, das Geld ihrer Kunden langfristig sicher und rentabel anzulegen. Oft schnappen ihnen aber auch die ebenfalls unter Anlagedruck stehenden Pensionsfonds und Infrastruktur-Fonds Großprojekte wie die deutschen Stromtrassen weg. „An Investoren fehlt es nicht“, sagte Zimmerer. Wenn die Allianz nur drei Prozent ihrer Kapitalanlagen in Infrastruktur umschichte, käme ein zweistelliger Milliardenbetrag zusammen. Selbst Windkraft-Projekte auf hoher See, die der Versicherer lange für zu riskant hielt, kämen nun infrage. „Dort finden gerade große Technologiesprünge statt. Da läuft es jetzt besser.“

Die deutsche Bundesregierung arbeitet derzeit an einer Initiative, um mehr Geld nicht-staatlicher Anleger für Infrastruktur-Investitionen aufzutreiben. Eine private Finanzierung öffentlicher Infrastruktur - etwa Autobahnen - ist aber in der Politik umstritten, weil sie oft teurer ist als der Einsatz der Staatskasse. Und die Schuldenbremse verhindert staatliche Investitionen. „Da muss dringend etwas passieren. Inzwischen ist politischer Druck auf dem Kessel, auch weil es darum geht, die Konjunktur anzukurbeln“, sagte der Allianz-Vorstand. Deutschland habe lange gezögert, weil die Wirtschaft sich besser entwickelte als im Rest Europas, „aber jetzt sehen wir eine große Bereitschaft“.

An der Umsetzung hapert es aber nach Zimmerers Beobachtung. Er nennt vier Bedingungen, um den Versicherern die Investitionen zu erleichtern: „Erstens dürften Genehmigungsprozesse nicht zehn Jahre dauern. Dazu muss man die Bürger möglichst frühzeitig ins Boot holen.“ In Bayern etwa regte sich der Widerstand gegen die Nord-Süd-Stromtrasse, die Elektrizität von großen Windparks in der Nordsee nach Süden transportieren soll, erst nach deren Genehmigung. Zweitens müssten Bündel aus kleineren und lokalen Projekten geschnürt werden, damit auch Großanleger dafür Geld geben könnten. „Und drittens darf man nicht - wie das in Norwegen geschehen ist - die Regulierung nachträglich ändern“, sagte Zimmerer. „Wenn der Staat so etwas einmal macht, wird es beim nächsten Mal teurer. Denn dieses Risiko müssen sich die Investoren natürlich bezahlen lassen.“ Die Allianz ist ein gebranntes Kind. Für die Erdgas-Pipeline in der Nordsee hatte Norwegen die Durchleitungstarife gekürzt, wodurch für die Allianz und andere Investoren die Rechnung nicht mehr aufgeht. Um milliardenschwere Einbußen zu verhindern, haben sie ein Verfahren gegen den Staat angestrengt.

Nicht zuletzt wirbt die Allianz dafür, dass Infrastruktur-Investitionen in Zukunft nicht wie riskante Aktienanlagen mit bis zu 70 Prozent Kapital unterlegt werden müssen, sondern etwa wie Immobilien-Investitionen mit 25 Prozent. „Bisher ist angesichts der begrenzten Zahl von Projekten noch kein Projekt am aufsichtlichen Risikokapital gescheitert“, sagte Zimmerer. „Das könnte uns aber einschränken, wenn dieses Geschäft andere Größenordnungen erreichen würde.“ Die strengeren „Solvency II“-Regeln für die Kapitalausstattung der Versicherer, die 2016 in Kraft treten sollen, reduzierten auch die Spielräume der Allianz bei Anlagen in Immobilien oder Aktien.

Zurzeit sei die Allianz zu stark von Staatsanleihen und Bank-Papieren abhängig. Doch der Ausbau anderer Anlageklassen wie Infrastruktur oder Hypothekendarlehen dauere eine Weile, räumte Zimmerer ein. „Wir (sind) ein großer Tanker und können uns nicht so schnell bewegen.“ Den Aktienbestand habe er im vergangenen Jahr um 6 Mrd. Euro erhöht. Dennoch sei die Aktienquote von sechs bis sieben Prozent nicht gestiegen, weil die gefallenen Zinsen die Kurse von Anleihen nach oben trieben. „Der Ausbau (des Aktienbestandes) geht langsam, weil wir uns auch für Rückschläge wappnen müssen.“

~ ISIN DE0008404005 WEB https://www.allianz.com/de/ ~ APA469 2014-09-30/15:21


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