Verfassungsbeschwerde gegen Kopftuch in türkischen Gymnasien

Ankara (APA/AFP) - Eine Woche nach Zulassung des Kopftuchs an türkischen Gymnasien hat ein Jurist beim Verfassungsgericht Beschwerde gegen d...

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Ankara (APA/AFP) - Eine Woche nach Zulassung des Kopftuchs an türkischen Gymnasien hat ein Jurist beim Verfassungsgericht Beschwerde gegen die Reform eingereicht. Der Präsident der Union der Richter und Staatsanwälte, Ömer Faruk Eminagaoglu, bezeichnete die Maßnahme am Dienstag als Verstoß gegen das Gesetz.

Der Jurist ist als Kritiker der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP und als Verfechter einer strengen Trennung von Politik und Religion bekannt.

Die türkische Regierung von Ministerpräsident Ahmet Davutoglu hatte am vergangenen Dienstag das Tragen von Kopftüchern in Gymnasien erlaubt. Schülerinnen dürfen demnach künftig vom ersten Jahr des Gymnasiums an ein Kopftuch tragen. Seit der Übernahme der Regierung im Jahr 2002 strebt die AKP danach, die Verbote zum Tragen des Kopftuchs in öffentlichen Einrichtungen zu lockern. Seit dem vergangenen Jahr dürfen auch Parlamentarierinnen ein Kopftuch tragen.

Die säkularistische Opposition im Parlament lehnt die Zulassung des Kopftuchs an Schulen vehement ab, auch mehrere Lehrergewerkschaften äußerten scharfe Kritik. Das Verbot des symbolträchtigen Kleidungsstücks geht auf die säkularistischen Reformen des Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk zurück, doch ist es in der türkischen Gesellschaft seit langem umstritten. Umfragen zufolge tragen zwei Drittel der Frauen in der Türkei ein Kopftuch.


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