Brückenschlagler vermissen Engagement Töchterles

Ex-Minister Töchterle mache sich als Stubaier und VP-Nationalrat zu wenig stark für eine Seilbahn über die Kalkkögel. Töchterle ist skeptisch.

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Die Kalkkögel spiegeln sich im Salfeinssee, sie sind aber auch Spiegelbild der Koalition. Die ÖVP hat sich für die Erschließung der Kalkkögel ausgesprochen, die Grünen sind nach wie vor dagegen.
© Müller

Von Anita Heubacher

Innsbruck –Ex-Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle radelt zur Arbeit, zumindest in Tirol: Vom Stubaital bis an die Uni nach Innsbruck, wo Karlheinz Töchterle wieder Vorlesungen halten wird (siehe unten). In Wien sitzt er auf einem Mandat der ÖVP im Nationalrat und dadurch Seilbahnsprecher Franz Hörl auf der Wartebank. Töchterle war Spitzenkandidat der Tiroler VP im Wahlkampf, ist aber bis heute kein Parteimitglied. Das Mandat hatte er angenommen, als das Wissenschaftsministerium gestrichen wurde. Er müsste auf seinen Sitzplatz verzichten, damit Hörl, der auch Bezirksparteichef in Schwaz ist, nachrücken könnte. Die Rechnung geht allerdings nicht auf. „Ich werde die Legislaturperiode im Nationalrat bleiben“, erklärt Töchterle gegenüber der TT.

Eine Rechnung offen haben offenbar manche in der ÖVP. Der ehemalige Minister und jetzige Nationalrat lasse Engagement für den Zusammenschluss der Skigebiete Axamer Lizum und Schlick 2000 im Stubai über das Ruhegebiet Kalkkögel vermissen, klagt der Axamer Bürgermeister und Landtagsabgeordnete Rudi Nagl. „Ich verstehe nicht, dass nicht mehr Rückenwind und Schützenhilfe kommt.“ Töchterle sei schließlich Stubaier, meint Nagl. Der seinerseits Mitglied der ARGE Brückenschlag ist und das Projekt in den eigenen, schwarzen Reihen hochhält.

Mit der Kritik konfrontiert, meint Töchterle: „Rückenwind wäre zu viel verlangt, Rudi Nagl soll froh sein, wenn von mir kein Gegenwind kommt.“ Der Ex-Minister gilt als sehr naturverbunden und hat eine grüne Vergangenheit, die nicht von allen in der ÖVP goutiert wird. Für ihn lässt das Projekt viele Fragen offen. Das Stubaital habe neben dem Tourismus auch Industrie und Gewerbe vorzuweisen. Das Überleben des Tales hänge nicht allein von dem Projekt ab. Die unverbauten Kalkkögel hätten einen sehr hohen Wert.

Töchterle begrüßt, dass seine Partei den Skizusammenschluss noch einmal auf Herz und Nieren prüfen lassen will. Der entsprechende Antrag dürfte heute im Landtag durchgehen, eine Entscheidung im März nächsten Jahres fallen. „Auch wenn die drei Skigebiete zusammenhängen, erreichen sie nicht die Qualität von anderen in Tirol“, gibt Töchterle zu bedenken. Außerdem vermisst er ein Verkehrskonzept. Mehr Skifahrer, mehr Anfahrten zu den Skigebieten. „Wie will man in Axams oder Mutters im Dorfzentrum, aber auch in Fulpmes mit dem Verkehr zurechtkommen?“

In der Endausbaustufe des „Brückenschlages“ sollen die Skigebiete Mutters, Axamer Lizum, Schlick 2000 und Neustift verbunden sein. Kostenpunkt: 64 Millionen Euro. Zudem ist das Schicksal des Patscherkofels mit dem Projekt verbunden. Die neue Skischaukel würde dem alten Innsbrucker Skiberg laut Studie Gäste abziehen.

Seit Monaten wird über das Projekt diskutiert. Für die Opposition war es lange ein Hebel, um Schwarz-Grün zu sprengen, für die Regierung ein schwieriges Thema. Die Grünen sind dagegen und stellen mit Ingrid Felipe die zuständige Naturschutzlandesrätin. Die ÖVP musste Kritiker in den eigenen Reihen überzeugen, schaffte einen einstimmigen Beschluss des Landesparteivorstandes und zog letztlich mit dem Prüfantrag die Reißleine. Die Kalkkögel werden bis zum Frühjahr ruhen.


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