Vom Saulus zum Banker-Paulus

Der Lienzer Robert Moser stieg nach 26 Jahren als Chef herkömmlicher Banken aus. Seit August ist er Leiter der neuen Bank für Gemeinwohl, die ohne Spekulationen arbeitet.

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Lienz, Kitzbühel, Wien –Erfolg hatte Robert Moser schon in jungen Jahren. Der Lienzer, dessen Familie ein Modehaus in der Stadt führt, begann nach der HAK-Matura bei der BTV, wechselte zur Lienzer Sparkasse und war mit 31 schon Vorstand der Sparkass­e Tamsweg. Zwischendurch arbeitete Moser im elterlichen Modehaus, studierte und gründete eine Familie. 1993 begann seine Karriere bei der Sparkasse der Stadt Kitzbühel, die bis Anfang 2014 dauerte. In dieser Zeit schrieb er ein Buch und studierte weiter. Im August 2014 schwenkt­e der erfolgreiche Manager beruflich komplett um: Er verabschiedete sich vom herkömmlichen Bankgeschäft, um Leiter der in Gründung befindlichen „Bank für Gemeinwohl“ zu werden. Der Tiroler Tageszeitung schildert Robert Moser seine Beweggründe.

Warum haben Sie nach so langer Zeit Ihre erfolgreiche Karriere bei der Sparkasse der Stadt Kitzbühel beendet?

Robert Moser: Das Bank­geschäft hat sich grundlegend gewandelt. Der Druck auf die Mitarbeiter wurde immer größer und ist heute schon extrem. Sie sollen den Leuten Produkte verkaufen, die sie selbst oft nicht verstehen. Der eigentliche Zweck einer Bank ist völlig in den Hintergrund gerückt. Doch solange man selbst in diesem System drinnen ist, kann man nichts tun.

Was wird bei der neuen Bank für Gemeinwohl anders sein?

Moser: Wir werden uns auf das Grundgeschäft einer Bank beschränken, Spekulationen wird es nicht geben. Bei Kreditvergaben prüfen wir, ob das geplante Projekt nachhaltig ist und dem Gemeinwohl dient. Danach richten sich auch die Zinsen. Auch die Finanzierung von Wohnbau ist wichtig, aber nur zum Wohnen, nicht zum Spekulieren.

Sollen Filialen errichtet werden?

Moser: In Wien jedenfalls, in den anderen Bundesländern wissen wir es noch nicht. Paläste für die neue Bank wird es jedenfalls keine geben. Vieles soll über Internet abgewickelt werden. Im Moment sind wir noch dabei, die Strukturen aufzubauen, zurzeit wird enorm viel Arbeit ehrenamtlich gemacht. Es ist toll zu sehen, wie viele Menschen sich für diese Idee engagieren und ihre Energie hineinstecken. Derzeit ist das Projekt als Genossenschaft strukturiert, die Eintragung ins Firmenbuch ist in Arbeit. Danach muss noch die Finanzmarktaufsicht die Bank genehmigen.

Ist die neue Bank Wien-lastig?

Moser: Das kann man nicht sagen. Ich selbst muss für die Arbeit zwar in Wien sein, aber mit mir als Tiroler und meiner Vorstandskollegin Christine Tschütscher aus Vorarlberg ist der Westen Österreichs sehr stark vertreten.

Ursprünglich wollten Sie nach dem Abschied von der Sparkasse ja Bauer in Kitzbühel werden. Woran ist das gescheitert?

Moser: An den Preisen. Bauernhöfe sind in Kitzbühel unerschwinglich. Dabei habe ich von 2006 bis 2007 die Ausbildung an der landwirtschaftlichen Lehranstalt in St. Johann i. T. gemacht. Danach habe ich ein Psychologiestudium begonnen, das ich bald abschließe, und auch eine Ausbildung zum Psychotherapeuten gemacht. Das war immer schon mein Wunsch.

Ist das für einen Banker nicht ein sehr starkes Kontrastprogramm?

Moser: Ja, vor allem die Praktika, die ich gemacht habe, im Rehazentrum Münster und bei einer Telefon-Kummernummer, waren völlig konträr zu meinem bisherigen Beruf.

Haben Sie überhaupt noch Zeit, nach Osttirol heimzufahren?

Moser: Ja. Ich bin ab und zu in Lienz, um meine Eltern und Geschwister zu besuchen.

Das Gespräch führte Catharina Oblasser


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