Neuer Novomatic-Chef setzt Expansion fort

Gumpoldskirchen (APA) - Am 1. Oktober übernimmt Harald Neumann (52) das Ruder beim Glücksspielkonzern Novomatic. Neumann hat sich viel vorge...

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Gumpoldskirchen (APA) - Am 1. Oktober übernimmt Harald Neumann (52) das Ruder beim Glücksspielkonzern Novomatic. Neumann hat sich viel vorgenommen, von Lobbying gegen das Glücksspielverbot über den Um- und Neubau der Casinos im Prater und in Bruck/Leitha sowie die Ausweitung des Geschäfts in Großbritannien und Spanien bis zu mehr sozialer Verantwortung seiner Firma. Anlässlich des Jobantritts sprach er mit der APA.

APA: Herr Neumann, Sie haben zwei Casinolizenzen gewonnen, für den Prater in Wien und für Bruck/Leitha in Niederösterreich. Sobald diese rechtskräftig sind, was sind Ihre Pläne?

Neumann: Wir dürfen laut Lizenz an den Standorten jeweils 350 Automaten und zehn Live-Tische aufstellen - das gilt für alle drei neuen Lizenzen, auch für unseren Marktbegleiter im Palais Schwarzenberg. Im Prater haben wir jetzt 450 Automaten, in der ersten Phase müssen wir daher dort nicht zubauen. Wir wollen drei bis sechs Monate nachdem die Lizenz offiziell zugestanden wurde starten. Nach 12 bis 18 Monaten Einspielzeit werden wir uns das anschauen und dann Überlegungen für eine Erweiterung anstellen. Das Ziel ist sicherlich, im Prater größer zu werden, um die tatsächliche Nachfrage decken zu können. In Bruck ist es schwieriger, weil das Projekt auf der grünen Wiese entsteht. Hier werden wir ab der rechtskräftigen Lizenzerteilung 12 bis 18 Monate brauchen, bis wir starten können.

APA: Waren Ihre ursprünglichen Pläne nicht viel größer?

Neumann: In Wien sah unser ursprüngliches Konzept 850 Automaten und wesentlich mehr als zehn Live-Tische vor. Auch Bruck wird nun zunächst kleiner, als wir geplant hatten. Wir werden uns aber selbstverständlich an die Vorgaben der Konzession halten.

APA: Bisher gab es in Wien ein Casino, künftig sind es drei von unterschiedlichen Betreibern. Wie scharf wird die Konkurrenzsituation?

Neumann: Ich glaube, dass man nicht von Konkurrenten sprechen kann. Es muss eine sehr starke Zusammenarbeit geben, insbesondere bei den Spielersperren. Denn es muss ja sichergestellt sein, dass ein gesperrter Spieler nicht in einem anderen Casino weiter spielen kann. Bisher gab es nur einen Monopolisten, da war das nicht notwendig. Da werden wir entsprechende Initiativen starten.

APA: Planen Sie eine Spielerdatenbank?

Neumann: Es wird keine Datenbank geben, sondern einen Austausch über Spieler, über die Sperren verhängt wurden. Die Daten bleiben im einzelnen Unternehmen. Andere Länder machen uns das schon vor.

APA: Wie reagieren Sie auf das in Wien politisch diskutierte Verbot für das kleine Glücksspiel, also Spiele am Automaten, ab 1. Jänner 2015?

Neumann: Wir haben mehrere Gutachten, die uns bestätigen, dass wir auf Rechtssicherheit vertrauen und unsere Lizenzen bis zum Ende ausnutzen dürfen. In Wien gibt es rund 2.000 Automaten. Wir betreiben davon in den Admiral Wettbüros rund 1.000, deren Lizenzen teilweise bis zu 2017 laufen. Wir sind sehr optimistisch, dass es für die Zeit ab dem 1. Jänner 2015 im Sinne aller eine positive Lösung geben wird. Aber alles am 1. Jänner 2015 abzudrehen geht nicht so einfach, es hängen auch sehr viele Arbeitsplätze daran.

APA: Verstehen Sie den Wunsch mancher Politiker, das Spiel mit Automaten zu verbieten?

Neumann: Die Bewusstseinsbildung, dass ein Verbot keine Lösung ist, sehe ich als eine meiner Hauptaufgaben. Ich habe dazu auch schon Gespräche mit Politikern geführt. Der Großteil weiß, dass ein Verbot keine Lösung ist. Die einzige Lösung ist eine klare, strenge Regulierung mit Spieler- und Jugendschutz, wie es das in Oberösterreich und Niederösterreich gibt. Unsere Rechnung ist: Wenn es keine Lösung gibt, haben wir in Wien bis zu 10.000 illegale Automaten stehen.

APA: Es gibt aber Kritik von Experten, dass gerade das Spiel am Automaten am ehesten süchtig macht.

Neumann: 99,5 Prozent aller Kunden, die bei uns spielen, finden Spaß, Unterhaltung und Spannung. Um die anderen 0,5 Prozent müssen wir uns kümmern, gemeinsam mit den entsprechenden Spielsuchteinrichtungen. Aber wenn man diese 0,5 Prozent zu illegalen Automaten oder ins Internet schickt, hat man überhaupt keine Kontrolle mehr. Sie können dort über ihre Kreditkarte einzahlen was sie wollen.

APA: Aber einige Bundesländer haben das kleine Glücksspiel verboten.

Neumann: Und man hat gesehen: In Oberösterreich (wo das kleine Glücksspiel früher verboten war, Anm.) gab es 3.000 illegale Automaten, was ja einer der Hauptgründe für die Legalisierung war. In Salzburg (wo es weiter verboten bleibt, Anm.) gibt es über 1.200 illegale Automaten und nach unserer Berechnung verdienen die illegalen Betreiber damit jährlich über 45 Mio. Auch wenn ich in Innsbruck durch die Stadt fahre, sehe ich einige Lokale, wo groß drauf steht ‚Casino‘ - obwohl es in Tirol offiziell gar kein Glücksspiel geben dürfte.

APA: Wie geht Ihr Geschäft international weiter?

Neumann: Ein weiteres Großprojekt ist die Erhöhung der Marktanteile in Europa, etwa in Großbritannien und Spanien bis Ende nächsten Jahres sowie der Ausbau des Onlinegamings. Ich schätze, dass wir einen Umsatzanstieg von ungefähr 70 bis 100 Mio. Euro erreichen, hauptsächlich bei gaming operations (Glücksspiel, Anm.) Wir werden in diesen Ländern doch einiges an operativen Betrieben kaufen. Teilweise haben wir schon konkrete Objekte ins Auge gefasst.

APA: Wie steht Novomatic im internationalen Vergleich?

Neumann: Wir machen etwa 1,8 Mrd. Euro Umsatz. Als integrierter Glücksspielkonzern sind wir der größte der Welt und können ein Casino nicht nur betreiben, sondern auch voll ausstatten. Wir haben zum Beispiel die zweitgrößte Tischlerei in Niederösterreich, machen das ganze Design, wir haben die Informationskette und die Wertschöpfungskette. Bei der Automatenproduktion sind wir wahrscheinlich die größten der Welt, aber das Ranking wechselt mit einzelnen Großprojekten. Unser Heimatmarkt ist Europa, aber wir bemühen uns auch sehr um die USA, wo wir seit zwei Jahren aktiv sind. Und auch Südamerika ist ein guter Markt für uns. Durch die Akquisition von Betware sind wir nun auch ein internationaler Player im Lotteriebusiness und sehen auch hier gute Möglichkeiten unser Geschäft weiter auszubauen.

APA: Gibt es Im Inland noch offene Baustellen?

Neumann: Ein Schwerpunkt ist aus meiner Sicht auch der Ausbau des CSR (Corporate Social Responsibility). Wir wollen unsere soziale Verantwortung stärken. Es wird ein Budget für Sozialprojekte geben, wobei wir Sachleistungen und direkte Unterstützung für sozial schwache Gruppen planen, abhängig vom jeweiligen Projekt. Aber ich bin davon überzeugt, dass es wichtig ist, dass man in diesem Bereich tätig ist.

~ WEB http://www.novomatic.com ~ APA027 2014-10-01/08:00


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