Andrea Händler braucht keine Freunde: „Mich muss man nur liken“

Wien (APA) - Mit ihrem neunten Soloprogramm „Ausrasten“ widmet sich die österreichische Kabarettistin Andrea Händler den Themen, die uns vor...

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Wien (APA) - Mit ihrem neunten Soloprogramm „Ausrasten“ widmet sich die österreichische Kabarettistin Andrea Händler den Themen, die uns vor, im und nach dem Urlaub zur Weißglut treiben. Die Premiere findet am 13. Oktober in der Wiener Kulisse statt. Auch privat kann sie nicht immer Contenance bewahren. Nach ihrem 50. Geburtstag habe sie merklich mehr Entspannung nötig als früher, erzählte sie der APA.

„Ich wollte immer etwas über Reisen machen, weil ich sehr lustige Erlebnisse gehabt habe“ so Händler im Interview. Nur der der dramaturgische Zusammenhang wäre nie klar gewesen, denn „ich kann ja keinen Dia-Vortrag halten“. Beim gemeinsamen Brainstorming mit der Autorin und Journalistin Angelika Hager, die schon in der Vergangenheit an der Entwicklung von Programmen beteiligt war, einem Diktiergerät und „einer guten Flasche Welschriesling“ entstand die Idee: „Reisen, Ruhe, Ausruhen, Ausrasten.“

Im Unterschied zum deutschen Urlaubsstereotyp - Badeschlapfen mit Socken und Reservieren von Liegen mit Handtüchern - sei der typische österreichische Urlauber an seinem „leicht grantigen G‘sicht“ zu erkennen und auch daran, „dass er eher leise nörgelt als laut schreit“. Doch wenn bei der Künstlerin im Urlaub nicht alles läuft wie geplant und gebucht, könne sie schon auch ausrasten: „Da werde ich sehr gereizt, da schrei ich dann auch schon einmal.“

Als Asien-Fan seien All-inclusive-Urlaube nicht so ihr Ding, denn dort drehe sich „eigentlich fast ausschließlich den ganzen Tag alles nur um Essen“, so Händler. Auch auf die dort gebotene „Zwangsbeglückung mit pseudo-sportlichen Aktivitäten“ und „meditativem Bogenschießen“ könne sie verzichten. In Wien entspanne sie sich am besten in ihrer Kabane an der Alten Donau: „Da kann ich ruhig werden, weil da bin ich direkt am Wasser.“

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Der Premiere blicke sie „wie immer mit gemischten Gefühlen“ entgegen. „Ich hoffe dass die Sterne günstig stehen, die Stimmung gut ist und die geladenen Gäste gut drauf sind.“ Tabuthemen gebe es für die Wienerin an sich nicht, um politisches Kabarett mache sie aber lieber einen Bogen, „weil mich Politik nicht so interessiert, und das können andere einfach besser“. Wie ein bestimmtes Stück ankomme, habe nicht zuletzt auch etwas mit Geografie zu tun: Über das Sterben könne man fast nur in Wien reden und bei Themen wie Kirche würde es „Richtung Tirol ein bisschen eng“ werden.

Ihre ersten Bühnen-Erfahrungen machte Händler 1984 mit der Kabarettgruppe „Schlabarett“, auch einige Film- und Fernsehrollen („Muttertag“, „Kaisermühlenblues“) finden sich auf ihrer Biografie: „Ich bin einfach gelernte Schauspielerin und bediene jetzt im Moment die Kabarettschiene.“

In ein paar Wochen soll eine „Andrea Händler App“ herauskommen. Wie wichtig Social Media Plattformen für sie als Künstlerin sind, kann sie noch nicht beurteilen. Ihr seit kurzem erstelltes Facebook-Profil nutzt sie ausschließlich beruflich: „Bei mir ist es praktisch - mit mir muss man nicht befreundet sein, mich muss man nur liken.“

Auch wenn sie ihre ersten 50 Jahre schon gelegentlich spüre („Nach drei Stunden Solo-Proben bin ich dann echt geschlaucht.“), sei ein Ende ihrer Karriere vorerst aber nicht in Sicht. Ausrasten ist das Thema, ein mögliches Aus keineswegs: „Ich bleibe garantiert bis 60 allen erhalten.“

(Das Gespräch führte Lisa Hechenberger/APA)

(S E R V I C E - Andrea Händler: „Ausrasten“, Premiere am 13. Oktober, 20 Uhr, in der Kulisse, Wien 17., Rosensteing. 39, Nächste Termine: 16., 17., 21.-23., 30., 31.10. in der Kulisse, am 24.10. im Stadtsaal Wien, am 25.10. im Alten Schlachthof Wels, http://www.andreahaendler.at )


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