Mandatare stellen Dorfchef den Stuhl vor die Tür

Pinswangs Bürgermeister bei Wahl des Agrar-Substanzverwalters übergangen. Feuerwehrchef lädt ohne Absprache zu Fahrzeugweihe.

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Von Helmut Mittermayr

Pinswang –Geradezu ins Messer gelaufen ist der Pinswanger Bürgermeister Karl Wechselberger seinen eigenen Gemeinderäten der einzigen Einheitsliste des Dorfes. Nichtsahnend hatte der Dorfchef die Bestellung des neuen Substanzverwalters für die beiden Gemeindeguts-Agrargemeinschaften Ober- und Unterpinswang auf die Tagesordnung gesetzt und angenommen, dass diese Funktion der Bürgermeister – wie derzeit in Tirol praktisch überall – ausüben wird. Die Mandatare hatten sich aber im Vorfeld ohne den Gemeindechef zusammengetan – und schlugen Gemeinderat Richard Wörle vor, seines Zeichens auch Feuerwehrkommandant. Wörle wurde einstimmig gewählt. Wechselberger blieb nichts anderes übrig, als zähneknirschend mitzustimmen.

„Das gibt einem natürlich schwer zu denken, wenn die eigenen Leute so etwas machen. Vizebürgermeister, Gemeindevorstände – alle waren beteiligt. Das ist ein persönlicher Tiefschlag“, sagt Wechselberger. Der Gemeinderat in Pinswang sei durchwegs mit bäuerlichen Vertretern besetzt. Der Dorfchef glaubt nun, die Retourkutsche dafür bekommen zu haben, dass es ihm gelungen sei, die beiden Agrargemeinschaften nach jahrelangen juristischen Auseinandersetzungen der Gemeinde zuzuführen. „Das hat mir viele Anfeindungen im Dorf eingebracht, dabei habe ich als Bürgermeister auf Grund der Rechtslage nur so handeln können.“

Wechselberger ist seit drei Perioden, 17 Jahren, Bürgermeister – und selbst Agrarmitglied in Oberpinswang. Er will die Flinte nun keineswegs ins Korn werfen: „Ich könnte es mir jetzt leicht machen und einfach gehen. Aber ich wurde mit großer Zustimmung von allen Pinswangern und Pinwangerinnen gewählt, nicht von einer Interessengruppe. Ich habe genug Energie und werde das durchstehen.“ Der BH-Angestellte verweist auch auf viele ermunternde Signale aus der Bevölkerung, die mit der jüngsten Vorgehensweise nicht einverstanden sei. Und trotzdem nachdenklich: „Ich bleibe aber sicher nicht um jeden Preis. Es gibt Grenzen. So etwas geht nicht spurlos an jemandem vorbei.“

Dass in Pinswang schon der Wahlkampf ausgebrochen sein könnte, obwohl der Urnengang erst 2016 ansteht, will Wechselberger nicht abstreiten. Denn kürzlich hatten die gleichen handelnden Personen in anderer Causa einen weiteren Strauß ausgefochten. Neosubstanzverwalter und Feuerwehrkommandant GR Richard Wörle hatte schriftlich zur Fahrzeugweihe eines Kleinlöschfahrzeuges im Dorf geladen – der äußere Verteiler reichte von Bürgermeisterkollegen Wechselbergers hin zum Landeshauptmann. Nur der Bürgermeister – seines Zeichens Feuerwehrchef einer Gemeinde – wusste nichts davon.

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Wörle selbst sieht gegenüber der TT keine Problemstellung im Dorf, obwohl auch er eine Art Vorwahlkampf nicht ausschließen will. „Wir waren einfach der Meinung, dass ein bäuerlicher Vertreter als Substanzverwalter ideal wäre. Auch die beiden Obleute der Agrargemeinschaften haben ihre Kooperation versichert. Und der Bürgermeister hat im Vorfeld mit keinem einzigen Gemeinderat darüber geredet. So haben wir die Sache halt selbst in die Hand genommen.“ Rechtlich ist alles einwandfrei. Die gewählte Person muss nur Mitglied des Gemeinderates sein. In Sachen Feuerwehr ist Wörle unnachgiebig: „Einem Kommandanten steht es sehr wohl zu, persönlich Einladungen zu einer Weihe auszuschicken.“


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