Schöpf und Hinterseer lassen es in Deutschland richtig krachen

Der Ötztaler Alessandro Schöpf erzielte beim 3:2-Erfolg des FC Nürnberg gegen Kaiserslautern einen Doppelpack und der Kitzbüheler ÖFB-Teamspieler Lukas Hinterseer grüßt mit Ingolstadt von der Tabellenspitze.

  • Artikel
  • Diskussion
© imago/DeFodi

Von Wolfgang Müller

Innsbruck – Nach einer magischen Fußballnacht war für Alessandro Schöpf gestern Regeneration angesagt. 13,2 Kilometer gelaufen, zwei Tore geschossen, eines perfekt vorbereitet – der Ötztaler war „Man of the Match“ beim 3:2-Erfolg des FC Nürnberg gegen den Titelkandidaten Kaiserslautern. Während sich die roten Teufel geknickt zurück auf den Betzenberg machten, war der 20-jährige Umhausner gefragter Interviewpartner im Grundig-Stadion. „Eine super Mannschaftsleistung und ein ganz wichtiger Sieg nach dem Tief der letzten Wochen“, hielt Schöpf den Ball nach seiner Galavorstellung bewusst flach. Denn die Kehrseite der Medaille hat der ÖFB-U21-Teamspieler erst vor Kurzem erlebt. Nach der 0:3-Pleite der Franken in Karlsruhe mussten die Nürnberg-Profis den erzürnten mitgereisten Fans ihre Dressen abliefern, weil sie es nicht wert seien, die Klubfarben zu tragen. „Eine extreme Situation, obwohl ich die Fans ja irgendwie verstehen kann. Aber das war schon heftig.“

Schon wieder Schnee von gestern. Nach dem Befreiungsschlag gegen Kaiserslautern waren Fans, Trainer, Profis, Vorstand und Aufsichtsrat beim Traditionsklub wieder eine große Familie. Zwar wurde trotz 3:0-Führung gemeinsam gezittert, bis der 3:2-Sieg unter Dach und Fach war, dafür war der Jubel danach umso größer. „Wir haben brutal viel investiert und zum Schluss waren die Akkus ziemlich leer. Aber wir haben uns mit allem, was wir noch aufzubieten hatten, den Lauterern entgegengestemmt“, blickte Schöpf gestern noch einmal auf den befreienden Kraftakt zurück. Denn nach drei Pleiten und dem Torverhältnis von 0:8 steckte Nürnberg, immerhin letztjähriger Absteiger aus der deutschen Bundesliga, tief im Abstiegsstrudel der zweiten Liga.

Trainer Valerien Ismael, der heftig in der Kritik stand, atmete auch ganz tief durch und wusste im TV-Interview, wer hauptverantwortlich für den dritten Saisonsieg war: „Schöpf bringt, seit er da ist, konstante Leistungen und hat sich jetzt auch endlich einmal belohnt.“

Im Sommer wurde der ehemalige Bayern-Profi vom FC Bayern verpflichtet, wobei dem deutschen Rekordmeister ein Rückkaufsrecht eingeräumt wurde. „Ich konzentriere mich voll auf die nächsten Spiele und versuche einfach, immer Vollgas zu geben“, lautet die Devise von Schöpf, der als 15-Jähriger vom Tiroler Leistungszentrum zu den Bayern wechselte. Was soll die Zukunft bringen? „Darüber zerbreche ich mir erst gar nicht lange den Kopf. Ich fühle mich in Nürnberg zurzeit richtig wohl und lasse alles auf mich zukommen“, vermeldete der „Ale“ gestern ziemlich ausgelaugt, aber entspannt.

150 x Jahres-Vignette 2022 zu gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Rund eine Fahrstunde weiter südlich im 106 Kilometer entfernten Ingolstadt grüßt ein anderer Tiroler sogar von der Tabellenspitze der zweiten deutschen Bundesliga. Nach dem verseuchten Abstiegs-Frühjahr 2014 im schwarzgrünen Dress ist die Fußballwelt von Lukas Hinterseer wieder in Ordnung. Stammspieler beim ambitionierten Audi-Klub und auch für die beiden EM-Qualifikationsspiele gegen Moldawien und Montenegro in das ÖFB-Nationalteam einberufen. Es läuft alles nach Plan beim 23-Jährigen aus der Skimetropole Kitzbühel. Dabei prophezeiten ihm viele so genannte Experten, dass ihm die Qualifikation für die nächsten Karriereschritte fehlen würde. So kann man sich täuschen. Hinterseer geht schon so wie in Jugendjahren konsequent seinen Weg und wird auch von seinem Trainer ­Ralph Hasenhüttl gelobt: „Er war ein Toptransfer und ist auch eine Bombenverstärkung für uns.“ Beim Tabellenführer hat der kampfstarke Tiroler einen Fixplatz in der Offensivabteilung und erzielte auch schon zwei Tore. „Ingolstadt war der absolut richtige Schritt für mich“, wusste der ehemalige Wacker-Kapitän schon nach dem Sommer-Trainingslager im Stubaital, und über die Zukunft macht er sich so wie sein Tiroler Landsmann Schöpf kein Kopfzerbrechen: „Ich muss Leistung bringen. Das zählt, alles andere ergibt sich dann.“


Kommentieren


Schlagworte