Zusperrpläne stoßen auf starke „Abwehr“ in Landeck

Die Minister-Entscheidung zur Zukunft der Pontlatz-Kaserne wird mit Spannung erwartet. Um 114.142 m² Fläche ranken sich Ideen zur Nutzung.

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© Böhm

Von Helmut Wenzel

Landeck –„Neue Lage, noch 35 Tage“, schmunzelte diese Woche ein Grundwehrdiener aus dem Ländle in Landecks Pontlatz-Kaserne. Der junge Mann leistet seinen sechsmonatigen Dienst mit der Waffe derzeit mit rund 50 Kollegen ab. Kommende Woche sollen weitere 80 Grundwehrdiener einrücken. Zudem ist die 1937 erbaute Kaserne laut Auskunft des Verteidigungsministeriums ganzjährig mit Kaderpersona­l besetzt – derzeit rund 50 Berufs­soldaten.

Unter den Offizieren ist Verunsicherung zu hören. Man habe aus den Medien erfahren, dass Landeck auf der Zusperrliste des Ministeriums stehen soll. Wenn der Minister das am Freitag bestätigt, müsste man pendeln, bemerkten Berufssoldaten aus dem Raum Landeck. „Die nächstgelegenen Kasernen sind in Innsbruck oder in Bludesc­h in Vorarlberg.“

Auch in der Kommunalpolitik ist das Thema bereits diskutiert worden. „Wir müssen die Minister-Erklärung am Freitag abwarten“, sagte Bürgermeister Wolfgang Jörg. Trotzdem stelle sich die Frag­e, wie die Bewältigung der Galtürer Lawinenkatastrophe 1999 ohne Pontlatz-Kasern­e funktioniert hätte. „Man braucht Manipulationsflächen für derartig­e Ereigniss­e.“ Zur mehrfach bewährten Infra­struktur und zum Standort der Landecker Kaserne geb­e es kaum Alternativen. Jörg denkt auch an ein Szenario für den Fall, dass die militärische Immobilie verkauft wird: „Dann wird die Stadt mit dem Instrumentarium der Flächenwidmung beraten und entscheiden, wie das Areal bestmöglich genutzt werden soll.“

Für SPÖ-Vizebürgermeister Manfred Jenewein sind die Arbeitsplätze ein gewichtiges Argument für den Verbleib der Militäranlage: „Aber es ist nicht in Stein gemeißelt, dass es für Katastrophen keinen anderen Platz mit der nötigen Infrastruktur geben soll.“

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Scharfer Protest gegen eine Schließung kommt vorsorglich von der AAB-Ortsgruppe Landeck. „Klimaforscher weisen darauf hin, dass es vermehrt zu Naturkatastrophen kommen wird. Daher wird die Bedeutung der Kaserne zunehmen“, ist Obmann Kurt Leitl überzeugt. „Wir wehren uns mit allen Mitteln, dass diese Kaserne zugesperrt wird.“ Im Landecker Team der Osteuropa-Hilfsaktion, das diese Woche auf dem Militärgelände fünf Sattelschlepper beladen hat, gibt es Irritationen. „Sollt­e es die Kaserne nicht mehr geben, müssten wir unsere Aktion einstellen“, erklärte Koordinator Fritz Gastl.

Von einem „Anschlag auf die Bevölkerung“ spricht FPÖ-Bezirksobmann Mathias Venier: „Die Bundesregierung gefährdet den Katastrophenschutz.“ „Gerüchte über Zusperrpläne hat es schon öfters gegeben“, erinnerte sich ein Landecker Heerespensionist, „aber diesmal könnte es ernst sein.“ Der Landeshauptmann verhalte sich auffällig zurückhaltend, meint der Ex-Soldat.

Auch Kasernen-Anrainer im Stadtteil Öd munkeln, wie es weitergehen könnte. Die Meinungen sind geteilt. Manchmal fühle man sich vom Hubschrauberlärm gestört. Oder: Landeck habe ohnedies kaum Flächen für Wohnungen und Betriebe. Das Heer solle zumindest die Hälfte des 114.142 Quadratmeter großen Areal­s verkaufen. Die Palette der Ideen reicht vom Hundespielplatz bis zum Freizeitzentrum mit Hallenbad.

Bangen um die Zukunft der Frundsberg-Kaserne

Alle paar Jahre das gleiche Rätselraten: Wird die Frundsberg-Kaserne in Vomp geschlossen? Auch jetzt sorgen Gerüchte und ein möglicher Verkauf des 5,6 Hektar großen Areals an der Ortsgrenze zu Schwaz wieder für Aufregung. „Ich hab’ es vor zehn Jahren schon gesagt, als die Pioniere abgezogen wurden: Wir sind gegen die Schließung“, bekräftigt der Vomper Bürgermeister Karl-Josef Schubert. Sollte es anders kommen und das Areal zum Verkauf stehen, hält Schubert dagegen: „Es ist als Sonderfläche Kaserne gewidmet. Die Gemeinde will da kein Bauland und könnte es umwidmen.“ Der Gemeindechef befürchtet außerdem, dass der Bund die Kaserne zur Unterbringung von Flüchtlingen nutzen will. (ad)


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