Wie von Brennnesseln gepeitscht

Jeder Vierte ist einmal in seinem Leben betroffen: Die Hautkrankheit Urtikaria ist aber kaum bekannt, ein Therapieleitfaden und eine App sollen Betroffenen das Leben erleichtern.

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Innsbruck –Von Urtikaria („Nesselsucht“) ist jeder Vierte zumindest einmal im Leben troffen. Ein Prozent der Europäer leiden aber unter der chronischen Form, einer körperlich, psychisch und sozial belastenden Hautkrankheit. Nachfolgend die wichtigsten Fragen zu der Hautkrankheit.

1 Wie erkennt man Urtikaria? Urtikaria ist charakterisiert durch das plötzliche Auftreten von juckenden Quaddeln, wie sie auch nach der Berührung mit Brennnesseln (Urtica) entstehen. Darüber hinaus können Angioödeme – Quaddeln der tieferen Haut – auftreten, auf der Haut des gesamten Körpers oder nur auf Teilen davon. Quaddeln treten nach bestimmten Reizen (z. B. Kälte oder Sonnenlicht), aber auch spontan, also scheinbar ohne besonderen Grund auf. An Urtikaria kann man mehrere Monate oder Jahre, mitunter auch Jahrzehnte, leiden. „Die Suche nach dem Auslöser ist oft eine Detektivarbeit. Ziel der Behandlung ist die Beseitigung der zugrunde liegenden Ursache. In bis zu 80 Prozent aller Fälle bleiben die Ursachen der chronisch spontanen Urtikaria allerdings unbekannt“, weiß Univ.-Prof. Dr. Georg Stingl (Abteilung für Immundermatologie und Infektiöse Hautkrankheiten an der Univ.-Klinik für Dermatologie am AKH/MedUni Wien).

2 Wann wird Urtikaria zur chronischen Erkrankung? „Von Urtikaria ist jeder Vierte zumindest einmal im Leben betroffen. In den meisten Fällen handelt es sich um eine akute Urtikaria, die nach maximal sechs Wochen wieder abheilt. Sie ist in aller Regel einfach zu behandeln“, so Stingl. Bestehen die Beschwerden länger als sechs Wochen, so handelt es sich um eine chronische Urtikaria.

3 Unter welchen Einschränkungen haben Betroffene zu leiden? Die Urtikaria schränkt die Lebensqualität extrem ein. „Es fühlt sich für Betroffene an, als würden sie ständig mit Brennnesseln gepeitscht werden“, sagt Otto Spranger, Sprecher der Österreichischen Lungenunion. Folgen des andauernden Juckreizes und Brennens sind u. a. gestörte Nachtruhe, mangelnde Konzentrationsfähigkeit und verminderte Leistungsfähigkeit. Mit der chronischen spontanen Urtikaria können psychische Begleiterkrankungen einhergehen. Und: „Trotz neuester Medikamente bleibt die chronische Urtikaria eine schwierig zu behandelnde Erkrankung. Das führt dazu, dass Patienten oft einen langen Irrweg vom praktischen Arzt über Dermatologen und Spitalsambulanzen hinter sich haben, ohne wirkliche Linderung ihrer Beschwerden zu finden“, so Spranger.

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4 Wie sieht die Behandlung aus? Im August wurde in Österreich ein neuer Therapieleitfaden zur Behandlung der chronischen spontanen Urtikaria publiziert. Ein entscheidender Aspekt in der Therapiewahl ist laut Stingl das Erheben der Krankheitsaktivität und der Lebensqualität der Patienten.

5 Was hat es mit der neuen App auf sich? Diese App – sowohl für Android als auch iPhone verfügbar – enthält Basisinformationen zur Urtikaria und eine Reihe von Tests zu Fragen wie „Habe ich Urtikaria“ und „Um welche Form von Urtikaria kann es sich bei mir handeln“. Darüber hinaus gibt es ein Tool zur Dokumentation des Alltags und einen Urtikaria-Kontrolltest. Infos: www.urtikaria.at (TT)


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