Tirols Frauen arbeiten bis Jahresende 94 Tage gratis

Tirol sei auf dem richtigen Weg zu mehr Einkommensgerechtigkeit, erklären ÖGB und AMS am Mittwoch. Der Tag, von dem an Frauen einkommenstechnisch im Vergleich zu Männern das restliche Jahr gratis arbeiten, hat sich um zwei Tage nach hinten verschoben.

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Innsbruck – Seit Montag arbeiten Frauen im übertragenen Sinn gratis. Am 29. September fand nämlich in Tirol der so genannte Equal Pay Day statt, jener Tag von dem an Frauen im Hinblick auf das Einkommen im Vergleich zu Männern das restliche Jahr gratis arbeiten müssen. „Der Equal Pay Day hat sich in Tirol um zwei Tage nach hinten verschoben“, erklärt Tirols ÖGB-Frauenvorsitzende Ulrike Ernstbrunner bei einer Pressekonferenz, die „aus terminlichen Gründen“ am Mittwoch stattfand. Denn im Jahr 2013 war der Stichtag am 27. September.

Einkommensschere in Reutte am größten

Für Tirols ganzjährig vollbeschäftigte Frauen heißt das, dass sie bei einem Bruttojahresgehalt von rund 33.000 Euro um knapp 26 Prozent, also um 11.000 Euro, weniger verdienen als männliche Arbeitskollegen. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Schere minimal – um 0,35 Prozent – geschlossen. „Der jährliche Einkommensvergleich zeigt auf, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Es darf aber nicht sein, dass die Tiroler Frauen im Vergleich zu den Männereinkommen noch immer 94 Tage bis zum Jahresende umsonst arbeiten“, betont Ernstbrunner.

Im Bezirksvergleich fällt auf, dass die Stadt Innsbruck mit einer durchschnittlichen Einkommensschere von Frauen- und Männereinkommen von knapp 21 Prozent am geringsten ist, in Reutte hingegen ist die Differenz mit rund 31 Prozent am höchsten in Tirol.

AMS fordert Lösungsänsatze für Frauen ab 50 Jahren

Der Equal Pay Day ist auch für das Arbeitsmarktservice (AMS) ein Anlass, um auf die Probleme von steigender Arbeitslosigkeit besonders bei Frauen ab 50 Jahren aufmerksam zu machen. „Diese Frauen brauchen existenzsichernde Arbeitsplätze, die eine Vereinbarung von Familienverpflichtungen zulassen“, erklärt die stellvertretende AMS-Landesgeschäftsführerin Sabine Platzer-Werlberger. Es brauche präventive Konzepte und eine bessere Verteilung der unbezahlten Arbeit, heißt es von Seiten des AMS.

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AAB-Landesobfrau Beate Palfrader fordert im Hinblick auf den Equal Pay Day, dass gleiche Arbeit gleich entlohnt werden müsse. Palfrader sieht in der fehlenden Umsetzung der Forderung ein gesellschaftliches Problem, sie sieht Unternehmer wie auch Arbeitnehmer gleichermaßen gefordert: „Vor allem Frauen mit Kindern werden bei den Gehältern oft diskriminiert, was für mich unverständlich ist.“ Eine verbesserte Anrechnung von Karenz- und Kinderbetreuungszeiten müsse zur Selbstverständlichkeit werden, erklärt Palfrader.

Aktionen zum Equal Pay Day

Die Tiroler SPÖ-Frauen trugen zum Equal Pay Day am Montag Krawatten. „Wichtig ist, dass das Thema Gehalt offen angesprochen wird. Wenn die Zahlen am Tisch liegen, können die Unterschiede am ehesten erkannt und behoben werden“, betont SPÖ-Frauenvorsitzende Selma Yildirim. In Innsbruck gab es am Montag eine einer Info- und Verteilaktion im Rahmen der Kampagne „Wir machen halbe/halbe“ in der Maria-Theresien-Straße. (tt.com, saku)


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