Yline-Strafprozess - Zeuge: Firma lag quasi schon am Boden

Wien (APA) - Am 22. Verhandlungstag des Strafprozesses rund um die Pleite des einstigen Internet-Stars Yline mühte sich das Gericht durch di...

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Wien (APA) - Am 22. Verhandlungstag des Strafprozesses rund um die Pleite des einstigen Internet-Stars Yline mühte sich das Gericht durch die Zuständigkeiten der Angeklagten. Ale erster Zeuge sagte ein ehemaliger Top-Manager von Yline, das in dem Start Up das „Chaos“ herrschte, es sei „stümperhaft“ vorgegangen worden und der Hauptangeklagte Yline-Chef Werner Böhm sei „beratungsresistent“ gewesen.

„Kein Unternehmen der Welt verkraftet so schnell so viele Zukäufe“, meinte der Zeuge, der von IBM zu Yline wechselte. Er sprach in Zusammenhang von Böhm von einem „Despoten“. Böhm habe sich lediglich um den Kapitalmarkt gekümmert und nicht um das operative Geschäft. Die Probleme mit dem Hardwarelieferanten IBM seien erst öffentlich gemacht worden als die Yline schon in tiefen Problemen steckte.

Zuvor sei einem Investor noch zugesagt worden, dass die Zusammenarbeit mit IBM hervorragend klappe. „Die Firma lag quasi schon am Boden“, so der Zeuge. Und trotzdem habe man noch dem damaligen IBM-Chef eine Klagsdrohung über 200 Mio. Euro geschickt - in völliger Unkenntnis der IBM. Für IBM sei das PC-Geschäft nicht relevant gewesen, weil es immer ein Minusgeschäft gewesen sei. Es ging hier eher um das Image durch hohe Absatzzahlen, so der Zeuge.

„Man hätte mit IBM reden müssen“, betonte der Zeuge, der zuvor jahrzehntelang Manager beim US-Computerkonzern war. So hätte die Pleite von Yline abgewendet werden können. „Da hätten wir uns 14 Jahre erspart“, platzte es daraufhin aus einer Angeklagten hervor, die damit auf die über ein Jahrzehnt dauernde Ermittlungsarbeit in der Causa anspielte. In einem emotionalen Schlussstatement appellierte der Zeuge an die Anwälte von Böhm und dieser Angeklagten, die „Schmutzkampagne“ gegen ihn im Internet einzustellen.

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Bei der Befragung des Zeugen durch den Anwalt von Böhm, Oliver Scherbaum, gingen dann zwischenzeitlich die Emotionen hoch, was Richterin Marion Hohenecker schnell im Keim erstickte. Scherbaum versuchte dem Zeugen zu beweisen, dass er viel mehr in Entscheidungsprozesse eingebunden war und sich nun versucht bei Böhm schadlos zu halten.

Böhm erklärte anschließend wortreich, dass der Zeuge vorhin lediglich IBM verteidigen habe wollen. Er habe nie Umstrukturierungen verhindert, seinen Einsatz für den Kapitalmarkt rechtfertigte er. Der Zeuge habe seinen Job nicht gemacht, so Böhm.

Fast dreizehn Jahre hat es gedauert, bis die Pleite der Internetfirma vor das Strafgericht kam. Alleine der durch die Untreuhandlungen bei der YLine verursachte Schaden beläuft sich laut Anklageschrift auf über 26 Mio. Euro. Alle Angeklagten beteuern ihre Unschuld. Der Öffentlichkeit wurde die Firma dadurch bekannt, dass das Tochterunternehmen firstInEx die mittlerweile legendäre Homepage des damaligen Finanzministers Karl-Heinz Grasser gestaltet hatte. Einer der Anteilseigner von FirstInEx war Grassers Vater. Grasser selbst besaß nach eigenen Angaben 285 YLine-Aktien.

Im Zuge eines großen Computergeschäfts mit IBM ging YLine schließlich 2001 pleite. Die meisten Anleger standen am Ende mit leeren Händen da.


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