EHFG - Hörgeräte schwächen kognitiven Abbau bei Demenz ab

Bad Hofgastein (APA) - Mit den Problemen rund um Schwerhörigkeit befasste sich am Mittwoch ein Workshop des European Health Forum Gastein (E...

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Bad Hofgastein (APA) - Mit den Problemen rund um Schwerhörigkeit befasste sich am Mittwoch ein Workshop des European Health Forum Gastein (EHFG). Vor zwei Jahren wies eine französische Studie den Zusammenhang zwischen Gehörverlust und kognitivem Abbau bei Demenz nach. Nun gibt es auch Hinweise, dass Hörgeräte diesen Abbau abschwächen, so Pierre Anhoury, Vorstand der französischen Organisation „Handeln für das Hören“.

Die neue französische Studie, die 2015 veröffentlicht werden soll, bestätigte auch erneut die Korrelation zwischen Gehörverlust und Demenz. „Beide Ergebnisse zusammengenommen unterstreichen die Bedeutung der Maßnahmen gegen die Unterdiagnose und Unterversorgung eines Gehörverlusts, vor allem bei älteren Menschen“, sagte Anhoury. Während die wissenschaftlichen Grundlagen des Zusammenhangs zwischen Schwerhörigkeit und Demenz noch nicht vollständig geklärt sind, geht man derzeit davon aus, dass bei zunehmender Taubheit größere kognitive Ressourcen der auditiven Verarbeitung gewidmet werden, womit weniger Ressourcen für andere Vorgänge wie das Arbeitsgedächtnis verfügbar sind.

Anhoury sprach sich für ein neues ökonomisches Modell aus, um die Versorgung älterer Menschen mit Hörgeräten sicherzustellen, und stellte einen Zehn-Punkte-Plan vor. „Es ist an der Zeit, auf EU-Ebene zu reagieren.“ Gleichzeitig wies er darauf hin, dass soziale Isolierung und andere große Probleme aufgrund eines Hörverlusts zunehmend auch jüngere Leute betreffen. Eine Befragung unter jungen Menschen in Frankreich 2012 zeigte, dass 52 Prozent von ihnen länger als eine Stunde täglich Musik über Kopfhörer hörten und 43 Prozent mit ihren Kopfhörern einschliefen.

Der Zehn-Punkte-Plan seiner Organisation fordert EU-weite Maßnahmen einschließlich einer Kampagne, um junge Menschen vor Gehörschädigung zu schützen, sowie ein früheres Screening auf Gehörverlust, vor allem in der Altersklasse der Über-60-Jährigen. Weiters sieht er eine Forschungsförderung und frühere und bessere Rehabilitation, Leitlinien für Kliniker, Pflegepersonal, Schulen und Arbeitsplätze sowie Partnerschaften mit der Industrie für bezahlbare Hörgeräte vor.


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