Hokusai im Pariser Grand Palais: Eine Schau, die mitreißt

Paris (APA/dpa) - Die Welle ist mehrere Meter hoch und schäumt vor Gischt. Das Bild des Japaners Hokusai (1760-1849) zählt zu den berühmtest...

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Paris (APA/dpa) - Die Welle ist mehrere Meter hoch und schäumt vor Gischt. Das Bild des Japaners Hokusai (1760-1849) zählt zu den berühmtesten Holzschnitten und ist gemeinhin als „Die Welle“ bekannt. Es gehörte bereits vor rund drei Jahren zu den Höhepunkten der Hokusai-Werkschau in Berlin mit über 440 Exponaten. Nun bietet Paris mehr. Bis zum 18. Jänner sind etwa 500 Werke des Künstlers zu sehen.

„Frankreich spielte bei der Entdeckung der japanischen Kunst eine wichtige Rolle, vor allem von Hokusai, den es fast schon anhimmelte“, erklärte die Ko-Kuratorin Laure Dalon. Aus diesem Grund beginnt die Werkschau auch mit Werken französischer Künstler wie Félix Bracquemond und Emile Gallé, die sich von Hokusais großer Welle und seinen Tier-Motiven inspirieren ließen. Ob Zufall oder nicht: Der Japan-Hype der Franzosen wird derzeit in Essen im Folkwang Museum in der Ausstellung „Monet, Gauguin, van Gogh - Inspiration Japan“ thematisiert.

In der Pariser Ausstellung wird der Besucher von Hokusais zeichnerischem Talent, seinem Humor und seiner regen Phantasie überwältigt. Über 70 Jahre dauerte sein geniales Schaffen: Mit 6 Jahren konnte der in Tokio geborene Künstler zeichnen, mit 18 beherrschte er den Holzschnitt wie kein anderer und bis zu seinem Tod im Alter von 88 Jahren wechselte er über 30 Mal den Künstlernamen - und damit oft auch seinen Malstil. Ab 1798 zeichnete er unter seinem bis heute bekannten Namen, der vollständig Katsushika Hokusai heißt.

Auf seinen Ukiyo-e, seinen oft symbolisch stilisierten „Bildern der vergänglichen Welt“, tummeln sich Geishas, dickleibige Sumo-Ringer, skurrile Kabuki-Schauspieler, Vögel und Fische oder bezaubern verträumte Landschaften. Dabei stechen die minutiöse Linienführung und harmonische Farbgebung hervor - gleich ob es sich um Rollenbilder, Drucke, Illustrationen, comicartige Karikaturen und Skizzenbücher aus seinen verschiedenen Schaffensperioden handelt.

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Die Ausstellung wurde von Nagata Seiji mitkuratiert. Er gilt als bedeutendster japanischer Kenner des Werkes von Hokusai und war auch für die Retrospektive in Berlin im Gropius-Bau zuständig. Zwar gleichen sich in beiden Schauen die thematische Unterteilung nach Shunro-, Sori-, Hokusai-, Taito-, Iitsu- und der späteren Gakyo-rojin-Manji-Phase, jedoch nicht die ausgestellten Werke. Hokusai vermachte der Nachwelt mehr als 30.000 Werke, aus denen das Grand Palais teilweise schöpfen kann. Wegen der Fragilität der Holzschnittserien wechselt Paris nach rund sieben Wochen einen Teil der Exponate aus, weshalb die Ausstellung zwischen dem 21. und 30. November auch schließt.

Zu den Höhepunkten zählen seine Skizzenbücher mit ihren Dämonen und skurrilen Alltagsgeschichten. Sie waren bahnbrechend für die japanischen Comics. Hokusai hat sie „Mangas“ genannt, ein noch heute üblicher Gattungsbegriff. Die meisten Besucher bleiben jedoch vor Hokusais berühmtem Werk stehen, der „Großen Welle vor Kanagawa“. „Hinter der scheinbaren Schlichtheit des Bildes versteckt sich eine vollkommene Konstruktion, die uns mitreißt“, erläutert die Kuratorin die Faszination. Ein Eindruck, der auf die gesamte Werkschau zutrifft.

(S E R V I C E - http://www.grandpalais.fr)


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