Insider-Affäre bei Airbus kommt in Paris vor Gericht

Paris (APA/AFP) - Wegen des Verdachts des Insiderhandels beim europäischen Flugzeugbauer Airbus muss sich der deutsche Autohersteller Daimle...

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Paris (APA/AFP) - Wegen des Verdachts des Insiderhandels beim europäischen Flugzeugbauer Airbus muss sich der deutsche Autohersteller Daimler von Freitag an in Paris vor Gericht verantworten. Angeklagt sind auch der französische Lagardere-Konzern und sieben derzeitige oder frühere Manager des inzwischen in Airbus Group umbenannten Luftfahrt- und Rüstungsriesen EADS.

Hintergrund ist der Verkauf von EADS-Anteilen Ende 2005 und Anfang 2006, bei dem die Angeklagten von konzerninternem Wissen profitiert haben sollen.

Gegen den Daimler-Konzern und die Unternehmensgruppe Lagardere, einst Großaktionäre beim Airbus-Mutterkonzern EADS, war Anfang 2011 ein formelles Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Beide Konzerne hatten im April 2006 den Verkauf von jeweils 7,5 Prozent der EADS-Anteile bekannt gegeben, für zusammen 4 Mrd. Euro. Zwei Monate später räumte EADS dann Lieferprobleme beim Riesen-Airbus A380 ein, was zu einem massiven Kurssturz der Aktie führte - die Aktie verlor an einem einzigen Tag 26 Prozent an Wert.

Auch zahlreiche EADS-Verantwortliche hatten sich in den Monaten zuvor von Aktien getrennt, als deren Kurs noch hoch war. Sieben von ihnen wird nun der Prozess gemacht, darunter dem damaligen EADS-Ko-Chef Noel Forgeard, der früheren Nummer zwei des Konzerns, Jean-Paul Gut, und dem derzeitigen Airbus-Verkaufsdirektor John Leahy. Insiderhandel kann in Frankreich mit bis zu zwei Jahren Haft und einer Geldstrafe geahndet werden, die bis zum Zehnfachen der erzielten Gewinne gehen kann.

Die französische Börsenaufsicht F hatte die Vorfälle ebenfalls untersucht. Im Dezember 2009 sprach sie alle von den Ermittlungen betroffenen EADS-Manager vom Vorwurf des Insiderhandels frei. Auch EADS selbst sowie Daimler und Lagardere wurden von der Börsenaufsicht entlastet. Die strafrechtlichen Ermittlungen wurden aber fortgesetzt und münden nun in dem Prozess in Paris.

Die Angeklagten weisen die Vorwürfe zurück, in Insiderhandel verstrickt gewesen zu sein. Sie beteuern, erst nach Verkauf der Aktien sei ihnen bewusst geworden, in welchen Schwierigkeiten der Konzern wirklich steckte. Neben den Lieferproblemen beim A380 hatte EADS damals auch mit Problemen bei der Entwicklung des neuen Langstreckenfliegers A350 zu kämpfen und musste schließlich seine Finanzprognosen nach unten korrigieren.

Im Zuge einer tiefgreifenden Veränderung der EADS-Aktionärsstruktur sind Daimler und Lagardere inzwischen vollständig bei dem Luftfahrt- und Rüstungsriesen ausgestiegen. Beide Unternehmen verkauften im vergangenen Jahr ihre letzten Anteile an dem Konzern, der dann zu Beginn dieses Jahres in Airbus Group umbenannt wurde.

~ ISIN NL0000235190 WEB http://www.airbus-group.com ~ APA502 2014-10-01/17:49


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