Kalkkögel: Lift-Projekt wird auf Herz und Nieren geprüft

Alle Parteien stimmten dem Antrag der ÖVP zu, das Projekt „Brückenschlag“ prüfen zu lassen. Im März wird weiter debattiert.

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Von Anita Heubacher

Innsbruck – Weder der Landeshauptmann noch die Wirtschaftslandesrätin oder der Raumordnungslandesrat verfolgten gestern die Debatte zu den Skizusammenschlüssen im Großraum Innsbruck im Landtag mit. Auf der schwarzen Regierungsbank saßen allein Gesundheitslandesrat Tilg und Agrarreferent Geisler. Die Regierungskollegen ließen sich entschuldigen und den Landtag diskutieren.

Tatsächlich fand sich das Landesparlament gestern in einer neuen Rolle wieder. Es verabschiedete einen Prüfantrag. Externe Experten sollen klären, ob ein Zusammenschluss der Skigebiete im Großraum Innsbruck via Seilbahn über die Kalkkögel überhaupt möglich und sinnvoll ist. Das Ganze gäbe es auch billiger. Dazu müsste die Regierung intern im Landhaus ihre Experten zu Rate ziehen und im Fall die Verordnung zu den Kalkkögeln ändern. Weil aber die Grünen gegen das Projekt sind und die zuständige Naturschutzlandesrätin stellen, ist der Weg in der Regierung blockiert. Dort herrscht zum Schutz des Juniorpartners Einstimmigkeitsprinzip.

So überließ die Regierung dem Landtag die Bühne. VP-Klubobmann Jakob Wolf wollte seinen Prüfantrag nicht als Verzögerungstaktik verstanden wissen. Die ÖVP stehe hinter Skizusammenschlüssen, die Sinn machen, meinte Wolf. Wirtschaftskammer-Präsident Jürgen Bodenseer hatte im Prüfantrag eine Anleitung, gesehen, dem Projekt den Garaus zu machen. Bodenseer wird seine Wirtschaftskammerwahlen im Frühjahr 2015 schon geschlagen haben, wenn das Projekt „Brückenschlag“ wieder in den Landtag kommt. Bis März wird jetzt einmal geprüft, im März-Landtag erneut debattiert.

Mit dieser Vorgangsweise konnten sich alle Parteien letztlich anfreunden. Er wurde einstimmig angenommen. Eine Abfuhr erhielt ein Abänderungsantrag der Grünen. Die Öko-Partei wollte zum ohnehin schon umfangreichen Prüfantrag noch weitere Fragen geklärt wissen. Außer den Grünen selbst sah keine Partei darin eine Notwendigkeit.

Nach sehr kontroversiellen Wortmeldungen des grünen Klubobmannes Gebi Mair und des Axamer Bürgermeisters, VP-Abgeordneten und des „Brückenschlaglers“ Rudolf Nagl trat FP-Klubobmann Rudi Federspiel auf den Plan. „Ist das eigentlich noch eine Koalition?“, fragte der Blaue in Richtung Schwarz-Grün. Die FPÖ und Vorwärts hatten sich im Vorfeld für das Projekt „Brückenschlag“ ausgesprochen, sich aber laut ÖVP dennoch nur zum Prüfantrag durchgerungen.

Die SPÖ ist in einer Zwickmühle. Die Parteibasis hat die Seilbahn über die Kalkkögel bereits abgelehnt. Die Abgeordneten machten sich gestern für eine breite Diskussion stark. Man stimme zwar dem Prüfantrag zu, der Landtag und die Opposition würden aber von der ÖVP nur benutzt, sagte Gabi Schiessling.

Die Liste Fritz vermisste Landeshauptmann Platter im Plenarsaal und dessen Führungsqualitäten. Das He­rumgeeiere sei unerträglich, meinte Klubobfrau Andrea Haselwanter-Schneider. VP-Klubobmann Jakob Wolf konterte und verwies erneut auf den einstimmigen Beschluss für das Projekt im schwarzen Landesparteivorstand.

Zitate

„Ich bin überzeugt, dass das Projekt rechtlich nicht geht. Es bringt keinen zusätzlichen Skifahrer und richtet ein Massaker an den Innsbrucker Skigebieten an.“

Gebi Mair, Klubobmann, Grüne

„Wenn die Grünen jetzt die Tourismusexperten im Land sind, dann fürchte ich mich.“

Elisabeth Blanik, Abgeordnete, SPÖ

„Es muss Schluss sein mit dem zögerlichen Zugang. Es wurde genug herumgeeiert. Die Prüfung muss rasch erfolgen, sonst wird es peinlich.“

Klubobmann Hans Lindenberger, Vorwärts

„Der Prüfantrag ist keine Verzögerungstaktik. Wir stehen zu Skizusammenschlüssen, wenn sie Sinn machen.“

Jakob Wolf, Klubobmann, ÖVP

„Das Herumgeeiere des Landeshauptmannes haben sich weder Gegner noch Befürworter des Projekts verdient.“

Klubobfrau Andrea Haselwanter-Schneider, Liste Fritz

„Ich frage mich, ob das noch eine Koalition ist. Die ÖVP hat einen großen Fehler gemacht und hat jetzt die Grünen am Hals.“

Rudi Federspiel, Klubobmann, FPÖ

„Ich glaube, dass es ohne Prüfung auch gegangen wäre. Wenn wir jetzt nichts tun, müssen wir künftig drei Skigebiete, die allein nicht überlebensfähig sind, über Wasser halten.“

Rudi Nagl, Abgeordneter, ÖVP


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