Marina Silva - Emotional, kämpferisch und gläubig

Rio de Janeiro (APA/dpa/AFP) - Marina Silva kennt die brasilianische Politik in all ihren Verästelungen. Sie war Regionalabgeordnete und Sen...

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Rio de Janeiro (APA/dpa/AFP) - Marina Silva kennt die brasilianische Politik in all ihren Verästelungen. Sie war Regionalabgeordnete und Senatorin und gewann internationales Ansehen von 2003 bis 2008 als Umweltministerin unter Präsident Luiz Inacio Lula da Silva. Doch kehrte sie 2008 Lula und 2009 auch der regierenden Arbeiterpartei PT enttäuscht den Rücken.

Silva kommt aus armen Verhältnissen aus dem nördlichen Bundesstaat Acre. Von dort hat sie sich mit viel Mühe nach oben gearbeitet. Jetzt will die zierlich wirkende 56-Jährige im zweiten Anlauf den Präsidentenpalast erobern. Ihre Chancen dafür stehen den jüngsten Umfragen zufolge gut. Eine Stichwahl zwischen Silva und Rousseff gilt als sicher.

Trat sie 2010 bei der Präsidentschaftswahl noch für die Grüne Partei an, wechselte sie nach einer eigenen Parteigründung im vergangenen Jahr zur etablierten Sozialistischen Partei Brasiliens (PSB) und ins Team von Spitzenkandidat Eduardo Campos. Am 13. August änderte sich alles für Silva. Denn an diesem Tag starb Campos bei einem Flugzeugabsturz. Die PSB war bis ins Mark erschüttert. Die Aufgabe der schwierigen Nachfolge fiel völlig unstrittig auf Marina Silva, die seitdem an allen Fronten kämpft.

Mit Amtsinhaberin Dilma Rousseff kreuzt sie nun nach 2010 zum zweiten Mal die Klinge. Vor vier Jahren kam sie im ersten Wahlgang auf beachtliche 19 Prozent der Stimmen. Rousseff weiß, dass Silva ihr gefährlich werden kann. PT und PSB stehen mit unterschiedlicher Gewichtung links und hoffen auf die Wählerstimmen der ärmeren Schichten.

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Silvas Biografie ähnelt nicht nur der des PT-Übervaters Lula, sondern der vieler Menschen im armen Nordosten. Sie wurde als eines von elf Kindern in eine Kautschukarbeiterfamilie im Bundesstaat Acre im Südwesten geboren, war Analphabetin bis zum 16. Lebensjahr, arbeitete als Putzfrau und schaffte dann den Sprung auf die Universität, wo sie zunächst Geschichte studierte. An der Seite des 1988 ermordeten Umweltaktivisten Chico Mendes kämpfte sie gegen die Regenwaldabholzung.

Silva ist aber als evangelikale Christin auch für konservative Gläubige eine attraktive Kandidatin. Vor rund 15 Jahren schloss sie sich der pfingstkirchlichen „Igreja Evangelica Assembleia de Deus“ (IEAD) an. Silva lehnt etwa die Straffreiheit für die Abtreibung ab, ebenso wie die Homo-Ehe. In der PSB ist die 56-Jährige wegen ihrer religiösen Inbrunst allerdings nicht unumstritten.

Silva will als zweite Frau im Präsidentenamt Geschichte schreiben. Doch machte sie klar, dass sie öffentliche Wähleraufträge als zeitlich begrenzt ansieht. Im Falle ihrer Wahl, will sie nur eine Amtszeit ausüben und 2018 nicht erneut kandidieren., kündigte sie an.


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