Die SVG Reichenau hat nur ein Ziel: Es werde Flutlicht

Heute treffen Reichenauer Flutlichtgegner und -befürworter bei einer Infoveranstaltung zusammen. Oder sollte man sagen: Sie treffen aufeinander?

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Von Florian Madl

Innsbruck – Heimvorteil haben die Reichenauer Fußballer keinen, wenn sie zuhause spielen. Die spielstarken Hausherren werden von ihren Gegnern in der Tiroler Liga zumeist mit hohen Bällen eingedeckt, dieses Lotteriespiel war selten Stärke der Innsbrucker. Sie sind keine Platzhirschen, die Schwarzroten, aber sie sollen mithilfe einer neuen Sportanlage samt Kunstrasenplatz und Flutlichtanlage irgendwann doch welche werden.

In Rietz fuhren Traktoren auf

Nahezu jeder dritte Tiroler wird einem Tiroler Sportverein zugerechnet. Das Land müsste vor Sportplätzen förmlich übergehen. Proteste an der (Neu-)Errichtung von Sportplätzen wie dieser Tage in der Reichenau finden sich im ländlichen Raum selten, zumeist werden diese ohnehin in der Peripherie angesiedelt. Wenn, dann stößt sich die Bevölkerung an Veranstaltungen.

Für Motorsport bedarf es hierzulande einer Sondergenehmigung. Doch während in Roppen (Enduro), Weißenbach (Speedway) oder Achenkirch (Skijöring) die Bevölkerung großteils mitspielt, ist das beim Motocross in Rietz nicht der Fall. Dort kam es heuer zum Traktorprotest, als der örtliche Motorsportclub seine Staatsmeisterschaftsläufe austragen wollte.

Beim Thema Flutlicht wird bisweilen mit dem Schlagwort Lichtverschmutzung argumentiert. Das Ski-Trainingsgelände am Patscherkofel wird wohl dennoch weiter beleuchtet. (TT)

Leonhard Pertl, dem Sprecher der Initiative „gegen Flutlicht“ in der Reichenau, widerstrebt das. Als „über Jahrzehnte gelebten Kompromiss“ bezeichnet der Dip­lomingenieur die Koexistenz Fußball/Wohnraum. „Glauben Sie mir: Es ist für viele Nachbarn nicht lustig, wenn am Sonntagvormittag vor Hunderten Zuschauern Fußball gespielt wird.“ Man hätte sich arrangiert, etwa um späteres Einschalten der Musik gebeten. Bei Obmann Gernot Amoser (51), einem Rechtsanwalt, fand man dabei stets Gehör. Heute wohl nicht:

Bei einer Informationsveranstaltung zur neuen Reichenauer Sportanlage (19 Uhr, VS Wörndlestraße) werden sich die Fronten verhärten: „Wir sind ein Beispiel gelungener Integration“, verteidigt der Jurist seinen Verein. Der Innsbrucker verweist dabei stolz auf 230 Nachwuchsfußballer aus 14 Nationen. Mit Österreichern vertreiben sich Deutsche, Kroaten, Serben, Türken, Italiener, Nigerianer, Ghanaer, Griechen, Vietnamesen, Slowaken und Ägypter die Freizeit.

Zuletzt spiegelte die Reichenau sogar etwas die weltpolitische Lage wider. Esmael, Ramasan, Umi und Rafik landeten beim Traditionsverein – vier syrische und tschetschenische Kinder aus dem Asylwerberheim.

Flutlichtgegner Leonhard Pertl entsinnt sich seiner politischen Vergangenheit in der Liste „Für Innsbruck“, mit deren Politik er nicht konform geht: „Wenn sie mich als politisch denkenden Menschen fragen: Ich würde ,Zurück an den Start!’ sagen.“ Man sei in der Planungsphase überrumpelt worden. Und Erfahrung hat der Projektplaner mit Themen wie diesen berufsbedingt. Bei der Suche nach einem Standort für eine Eliteschule stieß Pertl in Rinn auf breite Ablehnung der Bevölkerung. Mittlerweile ginge die Suche in anderen Regionen Tirols weiter.

Politik, Nachbarschaft und Verein müssten sich nach dem Dafürhalten Pertls auch für die Reichenauer Sportanlage eine andere Lösung überlegen. Und die Abwanderung des Vereins an den Stadtrand sei dabei nur „eine von vielen“.

Vizebürgermeister und Sportreferent Christoph Kaufmann kann sich einen sportlichen Wanderzirkus indes nicht vorstellen: „Zu unserem Masterplan gehört, dass Sport in ganz Innsbruck gefördert werden muss.“ An der Umsetzung des Reichenauer Projekts bestehe kein Zweifel, die Legitimation im Stadtsenat fiel einstimmig aus. Schon bald soll es Licht werden. Oder eben Flutlicht.


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