Appell für mehr Behinderten-Jobs

Weder öffentliche Hand noch Firmen erfüllen Quoten, Minister muss über Außenstelle Landeck entscheiden.

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Von Alois Vahrner

Innsbruck –Der Name ist neu, die Probleme altbekannt: Mit 1. Juni wurde das vormalige Bundessozialamt in Sozialministeriumservice umgetauft. Was geblieben ist, das ist der Mangel an angebotenen Arbeitsplätzen für Behinderte. Laut Gesetz müsste in größeren Unternehmen pro 25 Beschäftigten ein Behinderter eingestellt werden, sonst wird eine Ausgleichstaxe fällig.

Von den rechnerisch 6449 „Pflichtstellen“ waren zuletzt nur 3093 besetzt, aber 3356 offen. Und von den insgesamt 1857 Tiroler Betrieben, die wegen ihrer Größe Behinderte einstellen müssten, haben nur 354 die erforderliche Quote ganz erfüllt, 1503 hingegen nur teilweise oder gar nicht, sagt die Tiroler Landes­chefin des Sozialministeriumservice, Karin Klocker.

Wie mehrfach berichtet, liegt die öffentliche Hand in weiten Teilen noch schlechter als die Privatwirtschaft. Bei der Lehrerausbildung etwa für Volksschulen sind durch Fitness- oder Schwimmtests viele Behinderte automatisch ausgeschlossen. Konkrete Zahlen, welche Sparten die Quoten nicht oder schon erfüllen, soll ein neues EDV-Programm ab 2016 bringen.

In Summe gibt es in Tirol mehr als 6500 begünstigte Behinderte, davon sind rund 4000, also fast zwei Drittel, Männer und mit etwas mehr als 2500 ein knappes Drittel Frauen. Knapp 4200 Behinderte haben einen Job, weil vielfach auch kleine Firmen freiwillig Arbeitsplätze bereitstellen. Laut Klocker hat das Sozialministeriumservice in Tirol Mittel von 16 Mio. Euro, davon gut 13 Mio. Euro für Unterstützungen und Projekte auf dem Arbeitsmarkt. Man könne vielerlei Hilfen anbieten. Die Einstellung von Behinderten sei zum einen Herausforderung und Pflicht, entscheidend sei aber die Bereitschaft von Chefs und vor allem auch den Belegschaften in den Firmen. Wo diese gegeben sei, dort gebe es sehr viele positive Erfahrungen für alle Beteiligten, sagt Klocker.

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Für politische Aufregung in Landeck hatten zuletzt Ministeriumspläne gesorgt, die einst von Walter Guggenberger in den Bezirk gebrachte Außenstelle zuzusperren. Die Letztentscheidung trifft Sozialminister Rudolf Hundstor­fer. Derzeit gibt es bundesweit zehn Standorte des Sozialministeriumservice, neben Wien in allen acht Landeshauptstädten und eben in Landeck. In Wien und Linz etwa sind es über 100 Mitarbeiter, in Innsbruck 48 und Landeck zwei. Wie es im Ministerium heißt, gab es in Landeck im Schnitt zwei bis vier persönliche Vorsprachen pro Tag.


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