Abrissbirne und Alte Meister

Innsbruck – Umgeben von einer seltsam geheimnisvollen Aura ließ Alt-J 2012 aufhorchen. Die Single „Tessellate“ wurde ein Radiohit, bevor noc...

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Innsbruck –Umgeben von einer seltsam geheimnisvollen Aura ließ Alt-J 2012 aufhorchen. Die Single „Tessellate“ wurde ein Radiohit, bevor noch irgendjemand von der Band aus Leeds gehört hatte, im dazugehörigem Videoclip wurde Raffaels Fresco „Die Schule von Athen“ nachgestellt, der Bandname ist ein nicht googlebares Pyramiden-Symbol, das sich mancher Fan gar tätowieren ließ.

Der Hype um die „modernen Fairport Convention“ erfasste rasch das Hipstertum ebenso wie den Mainstream, Alt-J-Songs untermalten HBO-Serien und verliehen schicken Werbespots scheinbaren Tiefgang. Zu den Alt-J-Anhängern zählt etwa auch Miley Cyrus, die deren Song „Fitzpleasure“ auf Tour coverte. Ein mittlerweile gegenseitiger Austausch, denn auf dem neuen Alt-J-Album „This is all Yours“ ist ein Sample vom Cyrus Song „4×4“ mit drauf. Der Popstar singt in „Hunger for the Pine“ die Textzeilen „I’m a female Rebel“, dazu inszenierte Regisseur Nabil im Videoclip freilich keinen Ritt auf der Abrissbirne, sondern einen flüchtenden jungen Mann, der – ähnlich dem Heiligen Sebastian – von Pfeilen durchbohrt wird, bevor er sich mit Benzin übergießt.

Auch wenn Alt-J mittlerweile von einem Quartett auf ein Trio geschrumpft sind, der ebenso intellektuelle wie eklektizistische Pop überzeugt nach wie vor. Der leicht nasale Gesang von Sänger Joe New­man erinnert an den „Fürst des Freak Folk“ Devendra Banhart, allerdings mit weniger Vibrato und deutlichem Radiohead-Einschlag.

Der Mercury-Preis wurde den Briten bereits 2012 für ihr Debut „An Awesome Wave“ verliehen, dafür sollten sie sich bei der Preisverleihung auch überraschend artig bedanken. Ein Hauch von Geheimnis bleibt dennoch, in Alt-Js Referenzhölle lässt sich nach wie vor gut eintauchen. (sire)

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