Uni-Ranking - Uniko: „Budgetmäßig stehenbleiben heißt zurückfallen“

Wien (APA) - „Nichts schönreden, aber auch die Kirche im Dorf lassen“ will der Präsident der Universitätenkonferenz (uniko), Heinrich Schmid...

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Wien (APA) - „Nichts schönreden, aber auch die Kirche im Dorf lassen“ will der Präsident der Universitätenkonferenz (uniko), Heinrich Schmidinger, angesichts der Ergebnisse des „Times Higher Education World University Ranking 2014“. Eines sei aber klar, so Schmidinger am Donnerstag mit Blick auf die anstehenden Verhandlungen über die Uni-Budgets 2016 bis 2018: „Budgetmäßig stehenbleiben heißt zurückfallen.“

Beim am Mittwoch veröffentlichten Ranking war die beste heimische Hochschule, die Uni Wien, das dritte Jahr in Folge zurückgefallen und findet sich nun am Ende der Top 200. Die Uni Linz flog aus den Top 400, alle anderen Unis stagnierten. Bei 20.000 Hochschulen weltweit seien die Top 200 immerhin das beste Prozent, so Schmidinger bei einer Pressekonferenz. „Man kann ein Glas als halbvoll oder halbleer interpretieren.“

Natürlich seien auch die Uni-Budgets in Österreich in den vergangenen Jahren gestiegen, das müsse man auch anerkennen, betonte Schmidinger. „Aber wenn man sich ansieht, welche Unis regelmäßig auf den ersten Plätzen zu finden sind, dann sind die in Ländern, wo für Wissenschaft und Forschung mehr Geld aufgewendet wird als bei uns. Diese Relation ist evident. Jede einzelne Elite-Uni in den USA verfügt über so viel Geld wie alle österreichischen Unis zusammen. Und da ließen sich auch Beispiele aus unserer Nachbarschaft heranziehen.“

Als Vorbilder sieht der Rektorenchef die Schweiz und Deutschland. Deutschland investiere durch seine Exzellenzinitiative enorm in die Unis, bei seinen regelmäßigen Treffen mit Schweizer Kollegen sei deren erster Satz immer: „Wir können uns über unsere finanzielle Situation nicht beschweren.“ Für den Rektorenchef „wäre es sehr schön, wenn wir das auch einmal sagen könnten.“

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Trotz nominell angestiegener Budgets habe Österreich in den vergangenen Jahren bzw. Jahrzehnten zu wenig in den Hochschulsektor investiert, so Schmidinger: „Diesen Rückstau holt man nur sehr schwer und langsam auf.“

Für die anstehenden Budgetverhandlungen heiße das: Wenn die Unis die von Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) zuletzt immer wieder genannten zusätzlichen 615 Mio. Euro bekämen, würde man in etwa den Status Quo absichern - „den wir nicht schlechtreden wollen“: „Aber gegenüber Ländern, mit denen wir uns vergleichen wollen wie eben Deutschland und die Schweiz, werden wir zurückfallen. Und die Rankings werden bleiben, wie sie sind.“

Für eine Verbesserung der Ranglistenplätze wären hohe Investitionen erforderlich, so Schmidinger. Als Beispiel nannte er drei Bereiche: In überlaufenen Fächern müssten zur Verbesserung der Betreuungsrelationen zusätzliche Professuren geschaffen werden: Eine solche Professur schlage aber mit 370.000 Euro pro Jahr zu Buche. Zur Steigerung des Forschungsoutputs brauche man außerdem zusätzliche Ausbildungsplätze für Doktoranden - Kostenpunkt: 50.000 Euro pro Stelle im Jahr. Bei einigen hundert Stellen pro Jahr komme man gleich auf hohe Beträge. Und schließlich müssten bei den im Vormarsch befindlichen Open-Access-Journalen nach überstandenem Peer-Review-Verfahren im Schnitt rund 1.700 Euro pro Publikation bezahlt werden. Da Uni-Rankings die Zitierung in solchen Fachzeitschriften als Bewertungskriterium heranziehen, müsse auch hier investiert werden: „Sonst spielen wir in der Szene nicht mit.“


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