Viel zu wenige Darmkrebs-Früherkennungsuntersuchungen in Österreich

Wien (APA) - Der Nutzen der Darmspiegelung zur Früherkennung von Karzinomen und deren Vorstufen übersteigt laut dem Wiener Onkologen Heinz L...

  • Artikel
  • Diskussion

Wien (APA) - Der Nutzen der Darmspiegelung zur Früherkennung von Karzinomen und deren Vorstufen übersteigt laut dem Wiener Onkologen Heinz Ludwig andere Krebs-Früherkennungsmaßnahmen. Doch nur elf Prozent der Menschen über 50 Jahren nehmen in Österreich die angebotenen Untersuchungen in Anspruch, hieß es am Donnerstag bei einer Pressekonferenz der Selbsthilfegruppe Darmkrebs in Wien.

Ludwig, seit vielen Jahren in Sachen Krebs-Vorsorge und -Früherkennung aktiv, in seinem Plädoyer für die Koloskopie bei der Veranstaltung aus Anlass des zehnjährigen Bestehens der Selbsthilfegruppe (www.selbsthilfe-darmkrebs.at): „Sechs Prozent der Bevölkerung sind im Laufe ihres Lebens mit dem Problem Darmkrebs konfrontiert. Das ist jeder 17. Mensch. 2011 wurden in Österreich 4.348 Darmkrebserkrankungen registriert, 2.175 Menschen starben an der Krankheit. Dabei ist die Mortalitätsrate in den vergangenen 20 Jahren um 20 Prozent gesunken.“ Eine ab dem 50. Lebensjahr alle sieben bis zehn Jahre durchgeführte „sanfte“ Koloskopie erlaubt die Frühdiagnose und Beseitigung von Karzinom-Vorstufen oder eines Karzinoms im zu 90 Prozent heilbaren frühen Stadium. Dickdarmkarzinome entwickeln sich zumeist langsam, was genug Zeit zum Einschreiten bietet. Die Genauigkeit dieser Früherkennungsuntersuchung ist extrem hoch.

Zur Koloskopie rief bei der Pressekonferenz auch der derzeit von der Krankheit betroffene ehemalige Grüne Nationalratsabgeordnete Karl Öllinger auf. Bei ihm hatte man im Rahmen einer Früherkennungsuntersuchung im Jänner dieses Jahres ein Karzinom entdeckt, das eine sofortige Operation notwendig machte. Der Ex-Politiker: „Klar, ‚man‘ ist für Prävention. Nur selbst soll es einen nicht betreffen.“ Er habe das österreichische Gesundheitswesen und die Spitäler von sehr guter Seite her erlebt. Wichtig sei es, der Bevölkerung seriöse Informationen zu Vorsorge, Frühdiagnose und Therapie zu geben. Einfach ungezielt zu „googeln“, mache eher „krank“.

Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser wies auf den österreichischen Rahmenplan zu den Krebserkrankungen hin, der in nächster Zeit vorgestellt werden soll. Daran wurde seit 2010 gearbeitet. „Wir brauchen vor allem im Bereich der Prävention ein paar Dinge: Rauchstopp und eine Unterstützung der Rauchertherapie.“ Man habe mit der Gratis-HPV-Impfung für Kinder einen wesentlichen Fortschritt geschafft. Jetzt gehe es darum, die qualitätsgesicherten Screeningprogramme in Österreich in der Bevölkerung zu propagieren.

Der deutsche Medizin-Nobelpreisträger des Jahres 2008, Harald zur Hausen als Entdecker des Zusammenhanges zwischen der chronischen Infektion mit Human Papilloma Viren (HPV) und der Entstehung von Gebärmutterhals- und einigen anderen Karzinomen, geht mit seinem Wissenschafterteam einer Hypothese nach: „Man hat in Weltregionen mit hohem Konsum von rotem Fleisch eine um 20 bis 30 Prozent erhöhte Darmkrebsrate festgestellt.“ Zunächst glaubte man, dass bei der Zubereitung durch Grillen etc. dafür verantwortliche Karzinogene entstehen würden. Doch in Regionen, in denen Fisch und Geflügel so wie Rindfleisch zubereitet wird, gibt es den Effekt nicht, auch nicht in Weltregionen mit anderen Rinderarten als in Europa und Amerika. Bei der Untersuchung von 130 Rindern durch Veterinärmediziner in Leipzig und Tests an den Produkten von den Tieren fanden sich laut zur Hausen 18 neue „Agentien“, die wahrscheinlich von Viren oder Keimen stammen und eventuell mit dem erhöhten Krebsrisiko in Verbindung zu bringen sind.

Eindeutig wissenschaftlich belegt ist diese Hypothese noch nicht. Doch der Nobelpreisträger hat eine Hoffnung, wenn das wirklich der Fall wäre: „Mein Traum wäre, dass man die Rinder impft und die Menschen vor Darmkrebs schützt.“


Kommentieren