Jeder zweite Ostdeutsche sieht sich als Gewinner der Einheit

Chemnitz (APA/AFP) - Rund 25 Jahre nach dem Mauerfall sieht sich jeder zweite Ostdeutsche als Gewinner der Einheit. Das ergab eine am Donner...

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Chemnitz (APA/AFP) - Rund 25 Jahre nach dem Mauerfall sieht sich jeder zweite Ostdeutsche als Gewinner der Einheit. Das ergab eine am Donnerstag veröffentlichte Umfrage im Auftrag von 15 ostdeutschen Tageszeitungen. Am häufigsten wurden in diesem Zusammenhang die gewonnene Reisefreiheit und die freie Meinungsäußerung genannt.

Fast jeder vierte Ostdeutsche (23 Prozent) fühlt sich allerdings als Verlierer der Wiedervereinigung. Wie die Umfrage weiter zeigt, unterscheiden sich Ost- und Westdeutsche kaum noch in ihren Lebenszielen und privaten Wertvorstellungen. Ausreichend Geld (80 Prozent Ost/81 Prozent West), die eigene Familie (beide 79 Prozent), gute Freunde (63 Prozent/66 Prozent) und der eigene Partner (62 Prozent/63 Prozent) sind die vier Punkte, die bei allen in der persönlichen Werteskala ganz oben stehen.

Die wirtschaftliche Lage beurteilen die Ostdeutschen heute deutlich besser. 18 Prozent bewerten sie als sehr gut oder gut, 61 Prozent als teils gut, teils schlecht - damit stimmen sie mit den Westdeutschen weitgehend überein.

Erhebliche Unterschiede zwischen Ost und West bestehen jedoch nach wie vor bei der Beurteilung des politischen Systems. Während 74 Prozent der Westdeutschen die Demokratie als die beste Staatsform betrachten, teilen in Ostdeutschland nur 40 Prozent diese Auffassung. Beide Werte haben sich seit 1990 nur geringfügig verändert. Michael Sommer vom Meinungsforschungsinstitut Allensbach spricht von einem „unbedingten Vertrauen“ in das politische System, das im Westen nach wie vor viel stärker sei. Die Ostdeutschen legten in diesem Punkt eine große Reserviertheit an den Tag.

Auch das Freiheitsverständnis unterscheidet sich erheblich. Den Westdeutschen sind die Meinungsfreiheit, der Rechtsstaat, die freie Berufswahl und das Recht auf Eigentum deutlich wichtiger als den Ostdeutschen. Der Abstand beträgt jeweils zwischen 14 und 18 Prozentpunkten. Für die Studie, an der auch die Zeitschrift „Superillu“ und die Chemnitzer Werbegruppe Zebra beteiligt waren, befragte Allensbach im Juni und Juli insgesamt 1.573 Ostdeutsche.


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