Verbund will Industriebetrieben beim Energiesparen helfen

Wien (APA) - Der Stromkonzern Verbund will mit neuen Energie-Dienstleistungen rund um Strom und Wärme Großkunden wie Gewerbe- und Industrieb...

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Wien (APA) - Der Stromkonzern Verbund will mit neuen Energie-Dienstleistungen rund um Strom und Wärme Großkunden wie Gewerbe- und Industriebetrieben beim Kostensparen helfen. Mit einem neuen Energiecontracting-Joint-Venture mit der deutschen Getec möchte der Verbund da ab 2015 stärker aufzeigen. CEO Wolfgang Anzengruber peilt hier über 10 Prozent Rendite aufs eingesetzte Kapital an, wie er am Donnerstag sagte.

Der Markt dafür ist immens - und in Österreich noch nicht wirklich erschlossen oder durchdrungen: Für die EU-28 schätzt ihn der Berater McKinsey auf 10 Mrd. Euro auf EBIT-Basis, also nicht bezogen auf das noch viel höhere Vertragsvolumen, so Verbund-Chef Anzengruber vor Journalisten.

Das 50:50-Joint-Venture des Verbund mit dem deutschen Mittelständler Getec (750 Mio. Euro Umsatz, knapp 900 Mitarbeiter) möchte für Kunden Energieversorgungskonzepte entwickeln sowie Planung, Finanzierung, Bau und Betrieb von Wärme-, Kälte- Dampf-, Strom-, Druckluft- oder anderen Energieerzeugungsanlagen übernehmen. Die kartellrechtliche Zustimmung fehlt noch. Der 1993 gegründete Partner managt in Deutschland bereits 1.000 Anlagen. „Uns gehören die Anlagen, wir bauen, betreiben, warten und betreuen sie. Der Kunde zahlt die abgenommene Energie“, sagte Getec-Gründer und -Eigentümer Karl Gerhold.

Idealerweise könnten sich Kunden aus dem produzierenden Bereich mit einem solchen Energieanlagen-Contracting 20 bis 25 Prozent ihrer Wärme- bzw. Stromkosten ersparen, sagte Gerhold, zumindest über 5 oder 10 Prozent sollten es schon sein. Gemessen am Investitionsvolumen lägen die meisten Anlagen im Bereich zwischen 1 und 10 Mio. Euro, ein Heizkraftwerk lasse sich für 5 bis 6 Mio. Euro errichten. Zwar liefere man im Prinzip Primärenergie und verkaufe Nutzenergie, müsse aber doch häufig in die komplexen Prozesse der Industriekunden hineingehen, etwa in der Lebensmittelindustrie. In der Zementindustrie könne man umgekehrt phasenweise aus Wärme wieder Strom gewinnen.

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Insgesamt will sich der Verbund bei der Industrie in sämtlichen Sektoren aufstellen, also neben Energiecontracting auch mit Energieberatung und Demand-Response-Lösungen („virtuelles Kraftwerk“, Markenname Verbund-Power-Pool), wie Martin Wagner, einer der beiden Verbund-Solutions-Geschäftsführer, sagte.

Mit Verbund-Power-Pool können Industrie- und Gewerbekunden ihre individuellen Verbrauchs- und Erzeugungs-Flexibilitäten unter Aufrechterhaltung der Prozesskontrolle bündeln und am Regelenergiemarkt vermarkten - soll heißen: Wenn sie flexibel genug sind, können sie Kapazitäten zu barem Geld machen. Für 1 Megawatt (MW) Leistung könnten Industriebetriebe derzeit am Tertiärmarkt 20.000 bis 30.000 Euro Erlös erzielen, sagte Wagner zur APA. Derzeit managt der Verbund seinen Angaben zufolge hier 10 MW - das technische Potenzial in Österreich für Flexibilitäten wird aber auf 600 MW geschätzt, die Leistung von rund drei Donaukraftwerken. Dabei geht es um betriebliche Prozesse, die sich zeitlich verschieben lassen. Beispiele: Pumpen, Mühlen, elektrische Öfen, Lüftung, Druckluft, Kühlung in Branchen wie Papier-, Stahl- und Metallindustrie, Wasser-, Abwasser, Nahrungsmittel- oder Getränkeindustrie sowie die Chemieindustrie.

Auch für reine Beratung - für mehr Energieeffizienz oder Energiesparen - ist der Verbund gerüstet, das neu Energieeffizienzgesetz tritt ja Anfang 2015 in Kraft. Im „lernenden Netzwerk“ Verbund-Eco-Net, das auf einer Entwicklung des Fraunhofer-Instituts basiert, können sich Industriebetriebe und andere große Stromverbraucher zusammenschließen und ein gemeinsames mehrjähriges Einsparziel definieren. Im ersten Pool sind acht Firmen via Eco-Net drin, zwei weitere über den Power-Pool. Gespräche für einen zweiten Pool mit mindestens acht Unternehmen für 2015 seien bereits im Laufen, sagte Wagner, der die Verbund Solutions (20 Mitarbeiter) gemeinsam mit Wolfgang Pell leitet.


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