Ungeplante Hits und bunte Farben: Keine Überraschungen für Kensington

Wien (APA) - Manchmal kommt das Beste nicht zum Schluss, sondern noch später: Im Fall der niederländischen Band Kensington war dies der Song...

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Wien (APA) - Manchmal kommt das Beste nicht zum Schluss, sondern noch später: Im Fall der niederländischen Band Kensington war dies der Song „Home Again“, der kurz nach dem zweiten Album „Vultures“ entstand - und prompt zum Hit wurde. „So etwas lässt sich nicht planen“, meint Casper Starreveld. Der Gitarrist kann einen solchen Fall für die dritte, kürzlich erschienene Platte „Rivals“ jedenfalls ausschließen.

„Wir haben seit den Aufnahmen nichts mehr geschrieben“, erklärt Starreveld der APA im Interview. Viel Zeit dafür wäre ohnehin nicht vorhanden, denn seit dem Wechsel zum Majorlabel Universal geht es für das Quartett stetig nach oben. Mit der sehr gefälligen Mischung aus Alternative Rock und poppigen Anleihen bietet sich Kensington einem breiten Publikum an - und sitzt gleichzeitig etwas zwischen den Stühlen. Die neuen Songs untermauern diesen Eindruck, bereichern das Konzept aber teils um World Music-Zitate wie etwa in „War“.

„Dabei wollten wir eigentlich eine sehr düstere, melancholische Nummer schreiben“, sagt Starreveld darauf angesprochen. „Und herausgekommen ist unser vielleicht poppigstes Stück. Das ist der Moment an dem du merkst, dass du den kreativen Prozess nicht kontrollieren kannst.“ Wichtig sei der Gruppe jedenfalls, die Stücke nicht zu sehr aufzubauschen oder zu überzeichnen. „In der Produktion könnte man Dinge hervorstreichen, die zu Beginn gar nicht da sind. Das kann zwar funktionieren, ist aber nicht unser Weg. Warum zusätzliche Farben für ein Bild verwenden, wenn es sie gar nicht benötigt?“

Druck habe man jedenfalls nicht empfunden, als es ans Schreiben für den Nachfolger zu „Vultures“ ging. „Wir fühlten uns zum ersten Mal wirklich selbstbewusst und sind als Band am richtigen Platz.“ Außerdem konnte man wesentlich mehr Zeit in die Aufnahmen investieren als früher, so der Gitarrist. „Das hat einen großen Unterschied gemacht, weil wir uns besser konzentrieren und fokussieren konnte. Letztlich sind wir selbst unsere härtesten Kritiker. Wenn man nur sich selbst beeindrucken muss, weiß man, wie das geht.“

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Einfach war der Weg bis zu diesem Punkt allerdings nicht. „Die erste Platte ‚Borders‘ hat Spaß gemacht, war aber auch etwas naiv, wie wohl jedes Debüt. Man geht ins Studio, nimmt etwas auf und veröffentlicht es - erst danach beginnt man, darüber nachzudenken“, lacht Starreveld. Im Anschluss stand die Band an einem Scheideweg. „Wir mussten uns entscheiden: Borgen wir uns eine verdammt große Geldsumme, um weiter machen zu können, oder lassen wir es? Wir taten Ersteres, und zum Glück war es die richtige Wahl.“

Dass eine Musikerkarriere ganz ohne Fehler ablaufe, sei aber ohnedies unrealistisch. „Da muss man durch. Es gibt uns ja bereits seit neun Jahren und da war vieles dabei - von zu früh aufgenommenen Songs bis zu Verträgen, die wir unterschrieben haben, ohne sie wirklich zu verstehen. Insgesamt war das aber ein linearer Prozess. So leicht überrascht uns jetzt nichts mehr“, glaubt Starreveld.

Gemeinsam mit Sänger Eloi Youssef, Schlagzeuger Niles Vandenberg und Bassist Jan Haker wird er am morgigen Freitag beim Waves Vienna live zu erleben sein. Auf das Konzert im Wiener brut freue man sich bereits, wobei der Musiker auf ein „ein energiegeladenes Publikum“ hofft. „Wir binden die Leute gerne ein. Man darf sich also darauf einstellen, dass gesungen, getanzt und geklatscht werden wird“, schmunzelt er. „Und hoffentlich können wir dann alle davon überzeugen, dass wir eine gute Live-Band sind.“

(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)

(S E R V I C E - Kensington live beim Waves Vienna, am 3. Oktober im Wiener brut; www.kensington.com; www.wavesvienna.at)


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