Vom ruhigen Leben auf dem Land

Ein Häuschen im Grünen ist ein wahr gewordener Traum für viele. Die reine Idylle gibt es aber auch abseits der Städte nicht. Doch nicht jede Störung muss auch hingenommen werden.

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Von Markus Schramek

Innsbruck –Wohnen auf dem Land liegt im Trend. Gar mancher Stadtbewohner sagt Adieu zur Urbanität und legt sich eine schmucke Wohnung oder ein Häuschen im Grünen zu, das nötige Kleingeld bzw. brauchbare Kreditwürdigkeit einmal vorausgesetzt. Denn im dörflichen Speckgürtel rund um die Städte lebt es sich zwar angenehm, allerdings sind auch die Immobilienpreise gesalzen.

Da sitzt man also in seinem teuer erkauften, nagelneuen Eigenheim im Grünen und freut sich über die angenehme Ruhe. Plötzlich macht sich jedoch eine unbekannte Katze an den frisch eingetopften Gartenpflanzen zu schaffen. Von nebenan ertönt penetrantes Hundegebell, der Vierbeiner ist offenbar allein zu Haus. Am nahen Getreidefeld fährt indessen ein Landwirt lautstark mit einem Mega-Mähdrescher auf. Die Ernte will eingebracht werden.

Die folgende Nacht ist leider zu kurz, um sich von so viel Ärger zu erholen. Denn im Morgengrauen zeigt ein benachbarter Hahn, was er draufhat: Er kräht nach Leibeskräften und das alle 15 Minuten – fast so verlässlich und präzise wie eine Schweizer Uhr.

Muss man sich das alles bieten lassen? Immer wieder wird der TT-Ombudsmann mit solchen Schilderungen konfrontiert. Wir haben an kompetenter Stelle nachgefragt: bei Markus Kröll, dem Experten für Miet- und Wohnrecht in der Tiroler Arbeiterkammer. Er kommt zu folgendem Befund: „Ob sich ein Nachbar gegen eine Störung wehren kann, kommt immer auf den Einzelfall an.“ Das Ausmaß der Störung muss nach Krölls Worten „orts- unüblich und unzumutbar“ sein, über das gewöhnliche Maß also hinausgehen.

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Die Gerichte orientieren sich daran, was ein durchschnittlicher Mensch als störend empfinden würde. Wichtig ist auch, ob eine Störung häufig vorkommt und wie lange sie andauert.

„Zuagroaste“ in ländlichen Gemeinden müssen sich mit Lärmquellen, die schon vor ihrem Zuzug bestanden haben, abfinden. Es kann niemand ein Haus in der Nähe eines Bauernhofes auf die Wiese stellen und sich dann über Traktorenlärm beschweren.

Eine Gewähr, mit Unterlassungsklagen Lärmerreger zum Verstummen zu bringen, gibt es ohnehin nicht. Auf hoher See und vor Gericht ist man bekanntlich in Gottes Hand. Markus Kröll von der AK hat für uns folgende Entscheidungen des Obersten Gerichtshofes (OGH) zusammengestellt – zur Verdeutlichung, wie vom Gericht über Unterlassungsklagen entschieden worden ist.

1Wenn der Hahn kräht. Einen Hahn mit 13 Hennen zum Nachbarn zu haben, wurde vom OGH als ortsüblich gewertet. Das Gericht begründete dies mit dem ländlich-dörflichen Charakter der betreffenden Gemeinde. Bitter für den abgewiesenen Kläger war der Umstand, dass das gefiederte Tier schon um 4.30 Uhr zu krähen begann und dann gar nicht mehr aufhören wollte.

2Katzen haben es gut. Ein Fall aus Rum bei Innsbruck machte Ende 2011 bundesweit Schlagzeilen. Der OGH befand in einem Streit unter Nachbarn Folgendes: Katzen dürfen ins Freie und somit auch auf Nachbars Grund ihr Geschäft verrichten.

3Hunde, wollt ihr ewig bellen. Hunde sind juristisch anders zu betrachten als Katzen. Kater Murli gilt als „kleines“ Tier mit großen Freiheiten. Hund Rex ist rechtlich ein „großes“ Tier und vom Besitzer entsprechend in Zaum zu halten. Hundegebell zur Schlafenszeit ist daher weder ortsüblich noch zumutbar, sondern zu unterlassen, sagt der Oberste Gerichtshof.

4Leise rieselt die Jauche. Landwirtschaftliche Arbeit verursacht Lärm, das ist auf dem Land nun einmal üblich. Doch es gibt auch Grenzen. So hat der OGH entschieden, dass beim Ausbringen der Jauche selbige nicht in Nachbars Garten gelangen darf. Zur mit Jauche einhergehenden Geruchsbelastung haben sich die Höchstrichter nicht geäußert. Landluft eben.


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