Kroatiens Präsident trennt sich im Wahlkampf von wichtigstem Berater

Zagreb (APA) - Der Wahlkampf für die Präsidentenwahl im Dezember scheint den amtierenden kroatischen Staatspräsidenten Ivo Josipovic nervös ...

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Zagreb (APA) - Der Wahlkampf für die Präsidentenwahl im Dezember scheint den amtierenden kroatischen Staatspräsidenten Ivo Josipovic nervös zu machen. So wurde zumindest die Entlassung seines wichtigsten politischen Beraters, Dejan Jovic, interpretiert, die Josipovic am Donnerstag bekanntgab. Jovic hatte für Aufregung gesorgt, weil er das Unabhängigkeitsreferendum im Jahr 1991 als nicht frei bezeichnet hatte.

„Im Gegensatz zu Herrn Jovic findet Präsident Josipovic, dass das Referendum zur kroatischen Unabhängigkeit auf demokratische Weise erfolgt ist. Das Referendum war schicksalsträchtig, weil Kroatien die Politik Slobodan Milosevics und seine Panzer drohten“, teilte das Büro von Ivo Josipovic in einer Aussendung mit.

Dejan Jovic, Professor an der politwissenschaftlichen Fakultät an der Universität Zagreb, hatte in einem Essay in einer Fachpublikation die Ansicht vertreten, dass das Referendum 1991 nicht unter „freien und fairen“ Bedingungen abgehalten worden sei. Mit dem jüngsten Referendum in Schottland seien die Volksabstimmungen in den ex-jugoslawischen Ländern in den 1990er Jahren nicht vergleichbar, hielt Jovic in dem Aufsatz fest: „Vielleicht waren sie ‚demokratisch‘, wenn man unter ‚Demokratie‘ nur die Feststellung dessen versteht, von wem es mehr und von wem weniger gibt. Aber frei waren sie mit Bestimmtheit nicht, weil es nicht genügend Freiheit gab, zu sagen, was man wollte, ohne eine begründete Angst vor den drastischen Konsequenzen zu haben.“ Die Referenden seien von „Aggressivität und Gewalt“ geprägt worden.

Nach der Volksabstimmung 1991, bei der eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung für die Unabhängigkeit Kroatiens gestimmt hatte, hatte sich Kroatien von Jugoslawien losgesagt. Daraufhin brach der Jugoslawien-Krieg aus, für den der mittlerweile verstorbene serbische Präsident Slobodan Milosevic verantwortlich gemacht wurde.

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Präsident Ivo Josipovic gerät im beginnenden Präsidentschaftswahlkampf als linker Kandidat vermehrt unter Druck, auch die konservativeren Wähler anzusprechen. Seine Herausforderin Kolinda Grabar Kitarovic von der Kroatischen Demokratischen Gemeinschaft (HDZ) setzte im Wahlkampf bisher auf Heimatliebe, was bei den Nationalisten in Kroatien gut ankam, und kann auf die Unterstützung der Katholischen Kirche zählen.


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