Spotanalyse - Ökonomen zum EZW-Wertpapier-Ankaufprogramm

Neapel/Frankfurt/Wien (APA/Reuters) - Die EZB startet ihr Wertpapier-Ankaufprogramm zur Bekämpfung der Kreditklemme in der Eurozone Mitte Ok...

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Neapel/Frankfurt/Wien (APA/Reuters) - Die EZB startet ihr Wertpapier-Ankaufprogramm zur Bekämpfung der Kreditklemme in der Eurozone Mitte Oktober. Das kündigte EZB-Chef Mario Draghi am Donnerstag nach der Zinssitzung in Neapel an. Das Programm solle mindestens zwei Jahre laufen. Zuvor hatten die Währungshüter entschieden, ihren Leitzins auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent zu belassen. Ökonomen sagten in ersten Reaktionen:

HANS-WERNER SINN, IFO-PRÄSIDENT:

„Die EZB wird damit vollends zu einer Bail-out-Behörde und einer Bad Bank Europas. Die EZB will offenbar auch Schrott kaufen und erhöht auf diese Weise die Belastung für die Steuerzahler, wenn es Ausfälle gibt, denn sie müssen für die reduzierten Gewinnausschüttungen der EZB aufkommen. Diese Käufe sind nicht gedeckt durch das Mandat der EZB, denn es handelt sich dabei um eine fiskalische und keine geldpolitische Maßnahme, zur Unterstützung der Finanzsysteme nahezu bankrotter Länder. Es ist bezeichnend, dass die EZB speziell die Papiere jener Länder aufkaufen will, die EU-Programmländer sind. Auch Griechenland und Zypern wird geholfen, obwohl die Rating-Agenturen die Staaten nicht mehr als investitionswürdig einstufen.

Auch wenn die EZB nicht müde wird, das Gegenteil zu behaupten, sie betreibt eine fiskalische Rettungspolitik, zu der sie durch die EU-Verträge explizit hätte befugt werden müssen. Die Mandatsüberschreitung ist offenkundig. Die Bundesregierung ist verpflichtet, aktiv dagegen vorzugehen, und wenn sie es nicht tut, kann sie jeder Bürger vor dem Bundesverfassungsgericht verklagen, es zu tun.“

HOLGER SANDTE, NORDEA:

„Heute hat die EZB nicht überrascht. Sie zielt nicht darauf ab, ihre Bilanz sehr schnell auszuweiten, was ohne Staatsanleihekäufe nicht funktionieren würde. Die Wahrscheinlichkeit für Staatsanleihekäufe hat sich heute nicht erhöht, aber sie bleiben eine Möglichkeit, wenn Konjunktur und Teuerungsrate weiter absacken und die bisher ergriffenen Maßnahmen nicht zünden. Die EZB setzt auch auf einen schwächeren Euro.“

RALF UMLAUF, HELABA:

„Die EZB versucht mit den zusätzlichen Maßnahmen, vor allem die Kreditvergabe zu stimulieren, denn das Zinsinstrument ist ausgereizt und zeigt bisher nur mäßige Wirkung. Gelänge es der EZB, die Kreditvergabe zu stützen, würde einer Phase zu geringer Inflation ebenso entgegengewirkt wie der Konjunkturschwäche. Insbesondere messen wir in diesem Zusammenhang dem Banken-Stresstest der EZB eine hohe Bedeutung zu, denn dieser könnte im Vorfeld für Zurückhaltung bei der Vergabe von Krediten geführt haben.“

JAN HOLTHUSEN, DZ BANK:

„Vom Ankaufprogramm für Covered Bonds, das noch Mitte des Monats starten soll, erwarten wir nicht allzu viel - nach unseren Beobachtungen dürfte es schwierig sein, Verkäufer für größere Volumina zu finden. Mit dem Passus im Kommunique, dass im EZB-Rat weiterhin Einigkeit darüber bestehe, zusätzliche unkonventionelle Maßnahmen zu ergreifen, wenn diese notwendig werden sollten, wird die Fantasie auf ein größer angelegtes Kaufprogramm von Staatsanleihen aufrechterhalten. Mehr war heute nicht zu erwarten.

Die in den letzten Wochen weiter gesunkenen Inflationserwartungen bestärken uns in unserer Ansicht, dass die EZB ihre Anleihekaufprogramme Anfang 2015 auch auf Staatsanleihen ausweiten wird. Damit dürften in Südeuropa zwar kaum mehr Kredite vergeben werden, doch könnte die EZB versucht sein, über die Ausweitung ihrer Bilanzsumme den Euro weiter zu schwächen.“

~ WEB http://www.ecb.int ~ APA447 2014-10-02/15:51


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