Übungsfeld für drogenfreies Leben

Der Verein KIT hilft auf dem Weg aus der Drogensucht. Seit 40 Jahren werden Abhängigkeitskranke professionell betreut, damit sie ihre Freiheit wiedergewinnen und neue Pläne für ihre Zukunft schmieden können.

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Von Eva-Maria Fankhauser

Schwaz –Was vor 40 Jahren mit einer Teestube zur Errichtung einer Therapiestation in Innsbruck begann, hat sich mittlerweile zu einer anerkannten Einrichtung für drogenabhängige Personen entwickelt. Die Rede ist vom Verein „Kontakt – Information – Therapie“ kurz KIT. „Kürzlich war ich bei der 400. Vorstandssitzung dabei und blicke auf eine lange Entwicklungsgeschichte des Vereins zurück“, bekundet Winfried Hofinger, Vorstandsmitglied.

Derzeit arbeiten im Rehabilitationszentrum in Steinach und im Bildungshaus Egertboden in Schwaz neun ausgebildete Fachkräfte, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, drogensüchtigen Menschen zu helfen. Sie wollen die Suchtkranken auf ein drogenfreies Leben und die anschließende Rückkehr in einen eigenverantwortlichen und nicht von Sucht gesteuerten Alltag vorbereiten. „Nach dem Entzug im Krankenhaus können die Klienten zu uns kommen. Sie werden hier dann individuell betreut, ihre Ressourcen werden gefördert, und sie können wieder versuchen einen gesunden Alltag zu leben“, erklärt Bernhild Kathan, stellvertretende Projektleiterin in Schwaz.

Der Alltag im Bildungshaus Egertboden in Schwaz richtet sich zum einen nach den individuellen Bedürfnissen der Klienten und zum anderen nach einem vielfältigen Programm, das den ehemals Drogenabhängigen eine Struktur und Basis liefern soll. Es wird musiziert, Theater gespielt, Sport betrieben, Brennholz geschnitten, Gemüse und Obst angepflanzt, gekocht, geputzt und vieles mehr. „Bis vor Kurzem lag unser Schwerpunkt auf dem kreativen Malen, derzeit hat die Musik unsere Klienten in den Bann gezogen“, so Kathan. In einem eigenen Musikzimmer mit zwei Schlagzeugen, zahlreichen Gitarren, Rasseln und anderen Musikinstrumenten können sie ihren Emotionen freien Lauf lassen und sich manchmal auch einfach zurückziehen. „Einer unserer Klienten lernte beispielsweise innerhalb von fünf bis sechs Monaten Gitarre zu spielen. Er war dann ganz stolz, vor Publikum auf unserer Weihnachtsfeier aufzutreten“, erzählt die stv. Projektleiterin freudig. Aber auch Gruppen- und Einzelgespräche mit den Fachkräften und Psychologen stehen regelmäßig auf dem Programm, genauso wie für die jüngeren der Unterricht im eigenen Klassenzimmer. Das durchschnittliche Alter der derzeitigen Klienten in Schwaz liegt bei 26 Jahren. „Viele haben oftmals mit Gedächtnisschwierigkeiten zu kämpfen, daher wiederholen wir wichtigen Lehrstoff. Auch Grammatik und Englisch stehen auf dem Stundenplan“, erklärt Kathan.

Die Arbeit im Bildungshaus ist für die Betreuer und Mitarbeiter nicht immer einfach. Eine stetige Präsenz und das schnelle Reagieren auf Störungen oder schwierige Situationen sind wichtig für eine konstante Struktur im Leben der Klienten. „Die Arbeit beim KIT hat mich schon immer angesprochen. Und auch wenn es oft an meinen Kräften zehrt, schöpfe ich Motivation aus jenen Momenten, in denen sich etwas bewegt und meine Klienten Erfolge erzielen“, berichtet Kathan. Rund die Hälfte der Mitarbeiter des Vereins sind ehemalige Klienten, die nun mit ihren Erfahrungswerten anderen weiterhelfen können.

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Es gebe aber auch immer noch genügend Misserfolge, weiß Kathan, aber sobald sie sehe, wie die Klienten lachen, Volleyball spielen und einfach unbeschwert sein können, kehrt die Motivation für sie zurück.

Finanziert wird das KIT hauptsächlich von dem Tagesgeld, das pro Klient vom Land bezogen wird. „Nur durch Spenden wäre die Einrichtung nicht tragbar. Ich bin sehr froh, dass wir in den gesamten 40 Jahren nie in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind“, erklärt Hofinger. Am 8. November feiert der Verein sein großes Jubiläum.


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