Audis Baukasten fährt quer

Dem TT verdankt die VW-Tochter seit Ende der Neunzigerjahre des 20. Jahrhunderts enorme Breitenwirkung. Die dritte Generation perfektioniert die bekannte Formensprache und steigert die technische Basis.

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Das vorläufige Topmodell der neuen Sportcoupé-Generation von Audi ist der 310 PS starke TTS: In 4,6 Sekunden kann der Allradler von null auf 100 km/h sprinten.
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Von Markus Höscheler

Marbella – Vor zwei Jahrzehnten steckte sich Audi das Ziel, einen leistbaren Sportwagen zu bauen, der ansehnlich ist und fahrdynamisch was zu bieten hat, ohne dabei auf Alltagstauglichkeit zu verzichten. Aus den Anstrengungen entsprang der TT, ein Coupé (später auch ein Roadster), der sich in die Köpfe der Betrachter einbrannte. Die kompakte Bauweise und die exponierte Tankklappe oberhalb des rechten Hinterrads überzeugten die Kundschaft, die zwischen 1998 und 2014 eine halbe Million Mal zugriff.

Jetzt ist der Nachfolger an der Reihe, nun auf Basis des konzernübergreifenden modularen Querbaukastens (MQB). Wenn der TT ab 24. Oktober bei den Händlern steht, kann sich der Interessent davon überzeugen, dass Audi die Formensprache sorgsam weiterentwickelt hat. Die Grundform bleibt, doch der Singleframe-Kühlergrill geht den Weg des Zeitgeistes, findet nun eine dreidimensionale Ausprägung mit abgekanteten Ecken, betont gezeichneten Querstreben – und verschiebt das Vier-Ringe-Markenlogo auf die Motorhaube. Damit rückt der neue TT optisch in die Näh­e des Supersportwagens R8. Der brüstet sich neuerdings mit einer Spezialvariante mit Laserlicht-Technologie.

Davon profitiert der neue TT zwar nicht, dafür kann der Käufer wählen zwischen drei Frontscheinwerfer-Bestückungs­arten. Basis ist die Xenon-plus-Ausführung, darüber rangiert LED-Technik. Und noch mehr zu bieten haben die Matrix-LED-Scheinwerfer, die dank Sensortechnik je nach Verkehrssituation nur Teile der Umgebung ausleuchten, um andere Straßenbenutze­r nicht zu blenden.

Blendwerk ist dagegen nicht die Sache des TT, wenngleich er optisch dank ausgestellter Radhäuser, gespannter Dach­linie und nochmals optimierter Tankklappe hohe Attraktivität vermittelt. Aber Selbstzweck ist hier nichts, die Linienführung verspricht einen guten Luftwiderstandsbeiwert von 0,29, die erwähnte Tankklappe kann dank ausgefeilter Überlegungen auf einen zusätzlichen Tankdeckel verzichten.

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Konsumverzicht leisten die drei Zweiliter-Vierzylinder-Triebwerke, die anfangs zum Einsatz kommen, allesamt aufgeladen sind und der Abgasnorm Euro 6 entsprechen. Schon der Basisbenziner, immerhin 230 PS stark und 370 Newtonmeter maximales Drehmoment entwickelnd, beschleunigt den 4,18 Meter langen TT mit Sechsgang-Handschaltung (Sechsgang-Doppelkupplung S tronic ist optional) und Vorderrad­antrieb in 6,0 Sekunden von null auf 100 km/h. Der Normverbrauch liegt bei 5,9 Litern je 100 km. Noch sparsamer und geringfügig langsamer ist der 184 PS Turbodiesel (380 Nm Drehmoment) mit 4,2 l/100 km (CO2-Ausstoß: 110 g/km). Stürmisch geht es mit dem 310 PS starken TTS voran – hier ist Quattro-Allradantrieb Serie (beim 2.0 TFSI Option), der Sprintwert von 4,6 Sekunden von null auf 100 km/h ebenso. Der unterschied sich bei unseren ersten Fahrerlebnissen in dieser Woche in Andalusien von den Fronttrieblern durch anhaltende Traktion selbst bei hoher Querbeschleunigung.

Fast gleich viel Eindruck schindete die Inneneinrichtung, mit der sich der TT deutlich von seinen Vorgängern abhebt: Anstelle von analogen Anzeigen gibt es ein 12,3-Zoll-Digital-Display, das sich vom Fahrer einstellen lässt. Die Auflösung ist außergewöhnlich hoch, außerdem ist die Anzeige lichtstark. Die Verarbeitung der hochwertigen Innenraummaterialien wirkt rundum gelungen, ansprechend sind unter anderem die Belüftungsdüsen im Turbinen-Look. Den TT gibt es ab 41.900 Euro.


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