Japans kleines Doppelherz im schicken Maßanzug

Bei seinem zweiten Vollhybrid-Modell der GS-Baureihe setzt Lexus auf Downsizing und kombiniert im 300h einen 2,5-Liter-Vierzylinder mit einem E-Motor.

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Von Lukas Letzner

Innsbruck – Als automobiler Exot hat man es bei uns von Haus aus nicht leicht. Vor allem wenn man in der oberen Mittelklasse zum Angriff bläst, muss man sich etwas Besonderes einfallen lassen, um gegen die starke Konkurrenz Meter gutzumachen. Im Falle von Lexus ist das der schon zur Tradition gewordene Hybrid-Antrieb, der bei anderen Herstellern immer noch eine eher untergeordnete Rolle spielt. Kein anderer Konzern hat mehr Erfahrung in der Kombination von Verbrennungs- und Elektromotor als Toyota. Da der GS 450h aber für viele Kunden zu stark und auch zu teuer war, bieten die Japaner nun mit dem 300h eine kleinere Variante an. Mit ihm sollen mehr Interessenten angelockt werden. In ihm kumulieren ein 2,5-Liter-Benziner und ein E-Motor zu einer Systemleistung von 223 PS und versprechen gehobene Dynamikfreuden.

Sportlich, sportlich! Das ist auch das Erste, was uns durch den Kopf geht, als wir unseren GS 300h in natura zu Gesicht bekommen. Zwar ist sein Design schon zwei Jahre alt, dennoch fügt er sich nahtlos in die Optik der deutschen Konkurrenz ein. Der markante Kühlergrill wird in Kombination mit den pfeilförmigen Tagfahrleuchten zum echten Hingucker und die Heckpartie ist ebenso dynamisch gezeichnet.

Im Innenraum werden die Passagiere dann von Luxus à la Lexus verwöhnt. Edle Materialien, hochwertige Verarbeitung und reichlich Platz waren schon immer das Markenzeichen der japanischen Designer. Dies zeichnet sich vor allem durch Details wie Anti-rutsch-Matten in den Ablagefächern der Türen oder Lamellen an den Innenseiten der angenehmen Ledersitze aus, die verhindern, dass Schlüssel, Geldtaschen oder andere Gegenstände zwischen Polster und Mitteltunnel verschwinden können. Einziges Manko: Die Rücksitzlehnen lassen sich nicht umklappen und so bleibt der maximale Stauraum mit 468 Litern limitiert.

Schließlich erfolgt der sanfte Druck auf den Startknopf – und es passiert erst einmal nicht viel. Lediglich die Instrumente im übersichtlich gestalteten Armaturenbrett signalisieren, dass die Limousine erwacht ist. Auch wenn Hybrid-Fahrzeuge nichts Neues mehr sind: Dieses Schauspiel beeindruckt doch immer wieder. Wer dann noch einen sensiblen Gasfuß hat, der segelt fast geräuschlos vom Parkplatz. Im sonst sehr verbrauchsintensiven Gewusel des Stadtverkehrs spielt der GS 300h dann seine Stärken aus. Zwar schaltet sich beim beherzteren Tritt aufs Gaspedal der Verbrenner zu, hat man dann aber seine Geschwindigkeit erreicht, übernimmt der E-Motor wieder das Kommando. Dank einer ausgezeichneten Akustikdämmung macht sich die Edel-Limo dann völlig lautlos die Straßen untertan – und während man ganz entspannt dahincruist, mutiert man fast automatisch zum Spritspar-Freak. Die elektrische Reichweite beträgt zwar nur zwei Kilometer, doch das Zusammenspiel der beiden Herzen funktioniert derart perfekt, dass Verbrauchswerte von nur 5,2 Litern durchaus erreicht werden können.

Auf der Landstraße schärfen wir schließlich Fahrwerk, Lenkung und Ansprechverhalten der Motoren mittels Fahrdynamik-Regler. Während der GS eben noch ein sanfter Gleiter war, kommt in der Sport-Stellung willkommene Härte ins Spiel. Doch trotz der ordentlichen Systemleistung und der maximal 300 Nm Drehmoment darf man sich beim Landstraßentänzchen nicht zu viel erwarten. Der Grund hierfür ist das stufenlose Planetengetriebe, welches die Kraft an die Hinterachse des GS dirigiert. Eine Eigenart dieser Technik: Bevor einen der Motor spürbar nach vorne drückt, macht er sich lautstark bemerkbar. Dieser Umstand erzeugt kein besonders angenehmes Klangbild und so vermeidet man instinktiv lange Beschleunigungsorgien. Außerdem endet der Vorwärtsdrang ohnehin bei Tempo 190. Aber wer braucht das im Alltag schon wirklich – und um im morgendlichen Luft-100er dahinzuschwimmen, ist der GS 300h nahezu ideal. Wer den Edel-Lexus in seinen Besitz bringen will, muss beim Besuch des Händlers mindestens 47.856 Euro in der Tasche haben. Wer zu der von uns getesteten President-Ausstattung greift, der muss mit mindestens 67.700 Euro rechnen.


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