Meister der sanften Satire: Frederic Morton wird 90

Wien (APA) - Er gilt als Meister der sanften Satire und seine Bestseller stehen weltweit in den Bücherregalen: Der in New York lebende Autor...

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Wien (APA) - Er gilt als Meister der sanften Satire und seine Bestseller stehen weltweit in den Bücherregalen: Der in New York lebende Autor Frederic Morton schrieb u.a. Werke wie „Die Rothschilds, ein Porträt der Dynastie“ und „Ewigkeitsgasse“. 1924 als Fritz Mandelbaum in Hernals geboren, musste er mit fünfzehn Jahren aus seiner Heimat flüchten. Am Sonntag, 5. Oktober, feiert Morton seinen 90. Geburtstag.

Als Sohn eines Fabrikanten geboren, emigrierte er 1939 mit seiner Familie nach London, 1940 in die Vereinigten Staaten. „Die Emigration war teilweise ein Riesen-Abenteuer für einen jungen Mann, wie ich es war. Aber natürlich war sie auch ein unerhörter Umbruch im Leben einer wohlhabenden Familie, obwohl wir auch in Wien sehr einfach gelebt haben. Aber in der Emigration haben wir ein ganz anderes, ein sehr kärgliches Leben geführt. In den ersten Jahren war es nie sicher, ob mein Vater genug verdienen konnte. Und da mit dem Namen Mandelbaum auch in den USA antisemitische Probleme verbunden waren, hat sich mein Vater dazu entschlossen, den Familiennamen auf Morton umzuändern“, so der Autor im Vorjahr in einem APA-Interview.

In den Vereinigten Staaten arbeitete der angehende Student der Nahrungsmittelchemie zunächst als Bäcker. Als Literaturstudent an der Columbia University und als Schüler der New School for Social Research in New York kam Mandelbaum mit der deutschsprachigen Exilliteratur in Kontakt. Seit 1947 erschienen literarische und journalistische Arbeiten in Buchform, aber auch in Zeitungen und Magazinen wie der „New York Times“, „Esquire“, „Playboy“, „The Atlantic“ und „Hudson Review“. Zudem unterrichtete er an mehreren Universitäten englische Literatur.

Der Durchbruch gelang Morton 1962 mit dem Roman „Die Rothschilds“, der in 23 Sprachen übersetzt wurde, in mehreren Ländern auf den Bestsellerlisten stand und als Vorlage für ein mit Tony Awards ausgezeichnetes Broadway-Musical diente. Auch aus seinem Roman „Ein letzter Walzer“ entstand mit „Rudolf - Affaire Mayerling“ ein Musical, das ein Jahr lang am Wiener Raimund Theater lief. Schon früher wurde „Crosstown Sabbath - Über den Zwang zur Unrast“, eine „Reisebeschreibung“ der hektischen Metropole New York, vom ORF unter der Regie Curt Faudons verfilmt. Und Andrea Eckerts Doku „Durch die Welt nach Hause“ basiert auf der gleichnamigen Autobiografie Mortons, die 2006 erschienen war.

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Die Stadt Wien zeigte sich schon früh stolz auf ihren populären Sohn. Bereits 1986 erhielt Morton in seiner Geburtsstadt das Goldene Ehrenzeichen der Stadt Wien, fünfzehn Jahre später folgte die Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt in Gold. 2002 wurde „Ewigkeitsgasse“ als Gratisbuch im Rahmen der Aktion „Eine Stadt - ein Buch“ in einer Anzahl von 100.000 Stück verteilt. 2003 wurde Morton das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst verliehen, 2005 kam auch der Siemens Life Award dazu. In seinen Reden dankt Morton zumeist auch seiner „zweiten Heimat Amerika“.

Was er schreibe, sei der „Versuch, den Ich-besessenen zukunftsbangen Neurosen des 21. Jahrhunderts entgegenzutreten“, meinte Morton einmal und wies schon vor Jahren auf „dunkle Aspekte“ hin, die sich zunehmend auf Amerika und die übrige Welt auswirkten. Diese dunklen Aspekte finden sich auch in den übrigen Büchern des zweifach für den National Book Award nominierten Autors wieder, der mit psychologischer Einfühlsamkeit und sprachlicher Genauigkeit ein Millionenpublikum erobert hat: „Dunkle Leidenschaften“, „Die Affäre Schatten“, „Snow Gods“ und vor allem auch „Geschichten aus zwei Welten“. Nur wenige konnten diese gelebte Ambivalenz ähnlich überzeugend zu Papier bringen.

(B I L D A V I S O - Bilder von Morton sind im AOM abrufbar.)


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