Eurofighter ließ Fenster bersten

Zwei weithin hörbare „Explosionen“ sorgten am Donnerstagnachmittag für Aufregung in Tirol. Verursacher waren zwei Abfangjäger, die die Schallmauer durchbrachen. Eine Maschine musste sogar notlanden.

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Innsbruck – Häuser wackelten, Ohren dröhnten, Seismographen registrierten Erd­erschütterungen, bei der Tiroler Versicherung in Innsbruck ging sogar ein Schaufenster zu Bruch: Am Donnerstagnachmittag gegen 14.40 Uhr sorgten zwei explosionsartige Geräusche für Aufregung. Geräusche, die zwischen Telfs und dem Zillertal deutlich wahrgenommen wurden – bei der Leitstelle blockierten besorgte Anrufer minutenlang die Leitungen. War’s ein Erdbeben, eine Gasexplosion?

Weder noch, vielmehr dürften zwei Eurofighter die Schallmauer durchstoßen haben, gab das Bundesheer kurz darauf bekannt. Der Grund für die Eile: eine ausländische Militärmaschine, die – mit Genehmigung – in den heimischen Luftraum eingedrungen war. „Es war ein realer Abfangeinsatz. Es galt, die Überfluggenehmigung des Flugzeugs zu kontrollieren“, erklärte Michael Bauer, Sprecher des Verteidigungsministeriums: „Die Eurofighter haben das gemacht, wofür sie da sind.“

Wo genau und in welcher Höhe die beiden Maschinen die Schallgrenze durchbrachen, das konnte oder wollte das Bundesheer gestern nicht einmal ansatzweise beantworten. „Die Maschinen sind immerhin mit 1700 km/h unterwegs“, erklärte Bauer, der vom zentralen Alpenraum als Einsatzgebiet sprach.

Im Zug des Überschalleintrittes traten dann aber bei einer Maschine elektronische Probleme auf. Im Cockpit leuchtete eine Triebwerks-Kontrolllampe auf, weshalb der Pilot das Triebwerk abschaltete und das Notlandeverfahren auf den Innsbrucker Flughafen einleitete. Ein standardisiertes und mehrfach trainiertes Verfahren. Der Jet kehrte um und setzte um 14.48 Uhr auf der Rollbahn auf, wie Flughafensprecher Patrick Dierich bestätigte. Dort wurde die Maschine noch gestern von Technikern untersucht. Feuer oder Rauch am Triebwerk hatte es nicht gegeben.

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Solange die Untersuchungen laufen, bleibe der Eurofighter in Innsbruck. Der zweite Jet landete übrigens sicher wieder in Zeltweg – von wo die Abfangjäger auch gestartet waren. Dass der Zwischenfall ausgerechnet während der aktuellen Diskussion rund um das Heer und die Eurofighter passierte, wollte Bauer nicht kommentieren. Aber der Sprecher meinte auch: „Wir fliegen sehr viel und es wird nie darüber berichtet.“ Noch vor dem Zwischenfall hatte das Verteidigungsministerium versucht, im Wirbel um die Bohrlöcher der Eurofighter zu kalmieren. Flugbetrieb und Sicherheit seien „in keiner Weise eingeschränkt“.

Für den grünen Sicherheitssprecher Peter Pilz war die Notlandung in Innsbruck „der letzte Beweis, dass das System Eurofighter in Österreich nicht mehr betrieben werden kann“. (mw, tom)


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