Pneumologenkongress: Fettsucht kann Asthma verschlechtern

Salzburg (APA) - Asthma und Adipositas sind ein „gefährliches Paar“ und stellen global ein gravierendes Gesundheitsproblem dar. Es gibt imme...

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Salzburg (APA) - Asthma und Adipositas sind ein „gefährliches Paar“ und stellen global ein gravierendes Gesundheitsproblem dar. Es gibt immer mehr Hinweise, dass Fettsucht die chronisch entzündliche Lungenerkrankung verschlechtert. Das erklärte Hans Haitchi, aus Österreich stammender Asthmaforscher, aus Anlass der Jahrestagung der österreichischen Pneumologengesellschaft (ÖPG) in Salzburg (bis 4. Oktober).

Der Experte, der in Southampton und an der privaten Paracelsus-Medizinin-Uni in Salzburg lehrt und forscht: „Weltweit leiden rund 235 Millionen Menschen an Asthma, wie die Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO zeigen. Bereits 2008 litten laut den WHO-Zahlen rund zehn Prozent der Weltbevölkerung an Adipositas mit einem BMI, also Body Mass Index, von mehr als 30.“

In Österreich leiden etwa sieben Prozent der Bevölkerung oder 500.000 Menschen an Asthma. In der Kindheit ist Asthma die häufigste chronische Erkrankung überhaupt. Man geht laut wissenschaftlichen Studien davon aus, dass in Österreich etwa 42.000 Kinder betroffen sind. Die Daten für „Adipositas & Co“: Je nach Bevölkerungsgruppe sind 20 bis 64 Prozent der Österreicher übergewichtig, zwei bis 24 Prozent adipös.

Klar ist, dass es bei einer solchen Verbreitung dieser zwei Gesundheitsprobleme auch Personen geben muss, die an Asthma und Adipositas leiden. Auf der anderen Seite dürfte wiederum bei 70 Prozent der Asthma-Erkrankungen eine allergische Ursache dahinterstecken, gleichzeitig sind 40 Prozent der Menschen, die an Heuschnupfen leiden, auch Asthma-Patienten.

Doch es gibt offenbar auch ursächliche Zusammenhänge zwischen Adipositas und Asthma. So existiert eine Form der chronischen Lungenerkrankung, die sich speziell bei adipösen Frauen ausbilden kann. Sie zeigen keine für allergisches Asthma typische Blutbildveränderungen (Eosinophilie), leiden aber an schwereren Asthma-Symptomen. Etwa acht Prozent der Asthmatiker dürften in diese Gruppe fallen. Typisch ist auch das Auftreten dieser Form von Asthma erst im späteren Lebensalter.

„Eine zweite Gruppe der Patienten entwickelt Asthma zwar früher, dieses wird aber durch Adipositas noch verschlechtert. Und erst vor kurzem konnte gezeigt werden, dass Asthma in diesem Bereich noch heterogener ist. Es gibt Hinweise darauf, dass die Adipositas zu einer Art Resistenz gegen Kortison beiträgt“, sagte der Experte. Damit wird bei den Betroffenen einer der wichtigsten Bestandteile der Asthmatherapie, die antientzündliche Behandlung, „stumpf“.

Es gibt offenbar einerseits eine das Asthma verschlechternde Wirkung von Adipositas. Andererseits wurden Hinweise gefunden, dass eine genetische Verbindung zwischen diesen beiden Krankheiten existiert. Sehr großes Übergewicht behindert schon ganz prinzipiell die Atemfunktion, kann also Asthmabeschwerden noch verstärken. Schließlich geht die Adipositas auch mit einer vermehrten Produktion von Entzündungsbotenstoffen durch das Fettgewebe einher, was naturgemäß entzündliche Prozesse fördert - und Asthma ist ja eine chronisch entzündliche Lungenerkrankung.

„Die Behandlung von adipösen Asthmatikern erfolgt am besten in einem multidisziplinären Team mit Pneumologen, spezialisiertem Krankenpflegepersonal, Diätassistenten, Psycho- und Bewegungstherapeuten etc. Außerdem sollte man medikamentöse und nicht-medikamentöse Maßnahmen mit Lebensstiländerungen kombinieren“, erklärte Haitchi.

All diese Bestrebungen sollten zu einer für den einzelnen Patienten maßgeschneiderten Therapie führen. Freilich, bei der weltweit immer schneller in Gang kommenden Adipositas-Welle wird die Behandlung von adipösen Asthma-Patienten eine immer mehr wachsende Belastung für unser Gesundheitssystem darstellen.


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