Rubel in Russland rollt nicht mehr für Wiener Banken

Wien (APA/Reuters) - In den Zentralen großer österreichischer Osteuropabanken herrscht Nervosität. Die Ukraine-Krise und das Kräftemessen Eu...

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Wien (APA/Reuters) - In den Zentralen großer österreichischer Osteuropabanken herrscht Nervosität. Die Ukraine-Krise und das Kräftemessen Europas mit Russland durch Sanktionen und Gegensanktionen bestimmt seit Wochen die Agenda von Telefonkonferenzen und Vorstandstreffen. Insbesondere für die Raiffeisen Bank International (RBI) und die UniCredit-Tochter Bank Austria ist der Konflikt eine Belastungsprobe.

Er sorgt nicht nur für Verluste in der Ukraine, sondern bedroht auch das hochprofitable Geschäft in Russland. Sollten die dortigen Tochterbanken weniger Gewinn abwerfen, verlieren die Geldhäuser eine ihrer wichtigsten Ertragsstützen. Die RBI verdiente trotz des zunehmend schwierigen Umfelds in den ersten sechs Monaten etwas mehr als die Hälfte des gesamten Vorsteuergewinns in Russland. Bei der Bank Austria war es gut ein Viertel.

Zwar beteuern beide, die Sanktionen der EU gegen Russland hätten keine unmittelbar negativen Auswirkungen. Sie verbieten den Instituten bestimmte Emissionsgeschäfte für russische Banken und Institutionen und schränken die Vergabe langfristiger Kredite ein. Aber ein Raiffeisen-Insider räumt ein: „Wir merken, dass das Geschäft weniger wird.“

Noch größer aber ist die Angst der Banken vor möglichen Gegensanktionen. „Das würde schon Auswirkungen haben“, sagt ein weiterer Insider. Sollte Russland beispielsweise Geschäfte mit westlichen Banken verbieten, könnte das die über lange Jahre aufgebaute Beziehung zu großen russischen Firmen und reichen Privatkunden untergraben. Ein weiteres Schreckensszenario wären strengere Kapitalvorschriften für in Russland tätige westliche Banken.

Doch selbst wenn den Instituten dieser Albtraum erspart bleibt, dürften die westlichen Sanktionen gegen Russland die dortige Konjunktur schwächen und damit höhere Vorsorgen für faule Kredite erfordern - was wiederum die Erträge schmälert. Die Weltbank etwa hatte kürzlich gewarnt, die russische Wirtschaft werde die nächsten zwei Jahre stagnieren. Das spiegelt sich auch in Expertenkommentaren wider: Die Deutsche Bank etwa erwartet, dass die Kreditausfälle bei Raiffeisen in Russland im laufenden Jahr mehr als viermal so hoch ausfallen wie 2013 und auch im kommenden Jahr weiter steigen. Zuletzt fielen bei der russischen RBI-Tochter nur knapp fünf Prozent aller Kredite aus - deutlich weniger als im Gesamtkonzern.

Die Chefs von RBI und UniCredit haben sich jedoch bereits auf die neuen Rahmenbedingungen eingestellt: Die RBI erwartet 2015 höhere Vorsorgen für faule Kredite in Russland. „Sollten die neuen Sanktionen bestehen bleiben, können wir nicht ausschließen, dass Bankgeschäfte negativ beeinflusst werden“, sagte RBI-Chef Karl Sevelda kürzlich. Auch UniCredit-Chef Federico Ghizzoni räumte ein, dass ein Wirtschaftsabschwung in Russland die Bank treffen würde. „Aber nicht unmittelbar. Frühestens in einem Jahr oder zwei“, sagte er in einem Interview. Als dritte große westliche Bank ist die französische Societe Generale in Russland aktiv. Ihr Marktanteil liegt Analystenangaben zufolge jedoch wie jener der beiden österreichischen Banken bei unter zwei Prozent, während russische Großbanken wie Sberbank oder VTB fast die Hälfte des Marktes kontrollieren.

Doch es sind nicht nur Probleme in Russland und der Ukraine, die den Banken zu schaffen machen. Hinzu kommen neue Belastungen in Ungarn: Dort will die Regierung Banken dazu verpflichten, rückwirkend Zinsen und Gebühren für Kredite zu senken - was die Institute jeweils mehrere hundert Millionen Euro kosten dürfte. Die RBI muss ihrer ungarischen Tochter im laufenden Jahr bis zu 200 Mio. Euro zuschießen, um sie über Wasser zu halten. Vor diesem Hintergrund erwarten RBI und die kleinere Konkurrentin Erste Group für das laufende Jahr Verluste. Die Erste ist anders als RBI und Bank Austria nicht stark in Russland oder der Ukraine vertreten - hat dafür aber Probleme in Rumänien. An der Börse haben die Papiere von RBI und Erste seit Jahresbeginn knapp 30 Prozent an Wert verloren.

~ ISIN AT0000606306 WEB http://www.rbinternational.com/

http://www.bankaustria.at ~ APA127 2014-10-03/10:25


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