Fußball ist für Fans eine Sache des Herzens

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache. Dabei sind die Risikofaktoren bekannt und beeinflussbar.

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Von Markus Schramek

Innsbruck –Herzmedizin ist ein weites Feld. Entsprechend umfassend ist die Forschung. Jeder Winkel wird ausgeleuchtet, um den Ursachen und Auslösern von Erkrankungen auf den Grund zu gehen. Der 24. Herztag des Tiroler Herzverbandes gestern an der Klinik Innsbruck bot einen aufschlussreichen Überblick zum Thema.

Herzspezialist Otmar Pachinger spannte den Bogen vom Herzen hin zum deklarierten Lieblingssport der Massen, dem Fußball. Der Mediziner berief sich auf eine Erhebung von Münchner Kliniken während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland.

Dabei zeigte sich, dass der Rasensport für einen gewissen – meist männlichen – Personenkreis auch als bloße Zuseher ganz schon gefährlich sein kann. Pachinger: „Bei den Spielen der deutschen Nationalmannschaft verzeichneten die Münchner Kliniken in den Stunden nach dem Ankick einen deutlich erhöhten Zulauf von Patienten mit Herzbeschwerden.“ Sich (als Deutscher) ein Match der eigenen Nationalelf anzusehen, könne das Infarktrisiko bei manchen Personen verdoppeln, eröffnete Pachinger einem staunenden Publikum.

Mitgefiebert wird naturgemäß bei Spielen des eigenen Teams. Ist dieses nicht am Platz, sind die Fans viel gelassener, auch aus medizinischer Sicht.

Den Nachweis dafür erbrachten Professor Pachinger und Kollegen bei der Europameisterschaft 2008, wieder im Fußball, diesmal mit dem Innsbrucker Tivoli als einem der Austragungsorte von Gastgeber Österreich.

„Wir hatten ein hervorragendes Notfallkonzept ausgearbeitet“, berichtete Pachinger. Jedoch: „Bei den drei EM-Spielen in Innsbruck verzeichneten wir keinen einzigen Infarkt.“ (Österreichs Team spielte seine drei Matches bis zum Ausscheiden in Wien, Anmerkung).

Natürlich ist Fußball mitnichten der häufigste Stressfaktor, der zum Infarkt führen kann. Konflikte und Ärger jedweder Art, sei es am Arbeitsplatz oder privat, oder permanenter Zeitdruck setzen das Pumporgan noch viel häufiger unter Druck. Bei Menschen, die Risikofaktoren aufweisen, kann es dann heikel werden.

Für Hannes Alber, den Leiter der Kardiologie im Reha-Zentrum in Münster, ist die Zahl der Risikofaktoren für den ersten Herzinfarkt überschaubar, leicht messbar und auch beeinflussbar. So nannte er, unter Verweis auf eine internationale Herzinfarktstudie, hohe Blutfettwerte, Rauchen, Bluthochdruck, Zuckerkrankheit und Fettsucht als Risikofaktoren. Durch gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse sowie regelmäßigem Sport könne man diesen Faktoren entgegenwirken.

Immens wichtig sei die psychische Betreuung von Herzinfarktpatienten, betonte Alber. Es sei nachgewiesen, dass Patienten, die unter Depressionen leiden, mit einer erhöhten Gefahr rechnen müssten, einen weiteren Infarkt zu erleiden.

„Die Psyche spielt bei Herzerkrankungen eine zentrale Rolle“, schlussfolgerte der Kardiologe. Beides, das Herz und die Psyche, müsste entsprechend unterstützt und behandelt werden.

Wie der schon erwähnte Fußball galt auch der Herzinfarkt lange Zeit als Männersache, Letzteres wohl in Zusammenhang mit der tendenziell ungesunden Lebensweise vieler Männer. Doch auch bei Frauen ist der Infarkt keine Seltenheit, sondern zusammen mit anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Todesursache Nummer eins.

Die Infarkt-Symptome bei Mann und Frau sind freilich ganz anders. „Männer fassen sich an die Brust, sie spüren ein Stechen, schnell wird die Rettung gerufen“, beschreibt es Pachinger.

Bei Frauen sei es dagegen schwieriger, einen Infarkt zu erkennen, „oft wird er auch übersehen“. Frauen spüren Schmerzen in den Armen oder im Rückenbereich, sie klagen über Erbrechen oder Übelkeit. Oft würden diese Symptome jedoch nicht ernst genommen.


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