Arbeitslosigkeit trifft Ältere voll

Immer mehr Lehrstellen im Bezirk können nicht besetzt werden. Zahl der Lehrstellensuchenden nimmt ab.

  • Artikel
  • Diskussion
Symbolfoto.
© TT/Thomas Böhm

Von Helmut Mittermayr

Reutte –Älter und nicht ganz gesund – eine gefährliche Kombination, wie der jüngste Datensatz des AMS Reutte zeigt. Die Arbeitslosigkeit im Bezirk Reutte hat gegenüber dem September des Vorjahres um 5,1 Prozent zugenommen. Das Besondere an dieser Zahl ist der Umstand, dass für die Zunahme nur Menschen verantwortlich zeichnen, die allesamt über 50 Jahre alt sind. Anders gesagt, bei den unter 50-Jährigen ist die Arbeitslosenzahl auf sehr niedrigem Niveau stabil geblieben. Die 140 Männer und Frauen der Kategorie „50 +“ stellen die Problemzone unter den derzeit 512 Arbeitssuchenden im Bezirk dar. Die Gesamtarbeitslosigkeit im Außerfern dürfte laut einer ersten Schätzung des Reuttener AMS-Leiters Klaus Witting für den September bei nur 3,6 Prozent liegen und damit wiederum die niedrigste Tirols bleiben.

Für Witting ist die aktuelle Zunahme der Arbeitslosigkeit bei älteren Personen erklär-, aber nur schwer lösbar. Es sei ungleich schwieriger, sie in den Arbeitsmarkt zu integrieren, als Jüngere. Vor allem, weil viele der Betroffenen oft nicht vollkommen gesund seien. Der Hintergrund: Seit Jänner gibt es die so genannte Berufsunfähigkeitspension in Österreich nicht mehr. Betroffene würden nach Antragstellung nicht mehr bis zu einem Jahr versorgt sein, sondern in nur zwei Monaten durch eine Gesundheitsstraße geschickt und sehr oft als „eingeschränkt arbeitsfähig“ aus- und dem Arbeitsmarkt wieder zugewiesen werden. „Dann landen sie beim AMS. Ihre Vermittlung ist sehr schwierig. Wir können oft keine passenden Perspektiven in Aussicht stellen. Jemand hat etwa ein Bandscheibenproblem, kann beim Arbeiten kaum sitzen oder stehen, ist aber offiziell, wenn auch eingeschränkt, arbeitsfähig.“

Was Witting freut und ganz und gar nicht dem österreichischen Septembertrend entsprochen hat, ist die Zunahme der dem AMS gemeldeten offenen Stellen im Außerfern. „Ein klares Indiz dafür, dass die allgemeine wirtschaftliche Situation im Bezirk gut ist.“ So waren 175 (+ 38) sofort zu besetzende Stellen beim AMS Reutte im Angebot zu finden. „Die Stellenneumeldungen lagen mit 341 deutlich über dem Vorjahreswert“, führt Klaus Witting aus. Positiv sei auch festzustellen, dass die Bautätigkeit im Bezirk Reutte, entgegen dem bundesweiten Trend, gut läuft. Auch die Industrieleitbetriebe des Bezirkes sind mit der Auftragssituation zufrieden“, erklärt Witting.

Schwieriger wird die Situation für Unternehmen, die Lehrlinge ausbilden wollen. Der demografische Wandel könnte langsam (er)schlagend werden. So sind im Bezirk 64 (+ 22) sofort zu besetzende offene Lehrstellen unbesetzt geblieben. Das bedeutet eine Zunahme von 34 Prozent. Demgegenüber sind nur noch 17 Jugendliche (- 20) als lehrstellensuchend vorgemerkt.

150 x Jahres-Vignette 2022 zu gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Von den 512 derzeit Jobsuchenden haben 150 eine ausländische Staatsbürgerschaft. Weitere 94 Personen befinden sich in Schulungen des AMS und scheinen in der Arbeitslosenstatistik nicht auf.


Kommentieren


Schlagworte