„Liebe für Wien“: Jan Delay mit Hammer, Michel und Funk im Gasometer

Wien (APA) - Die Aufregung unter Fans war groß, als Jan Delay im Frühjahr mit „Hammer & Michel“ sein erstes Rockalbum auf den Markt warf. We...

  • Artikel
  • Diskussion

Wien (APA) - Die Aufregung unter Fans war groß, als Jan Delay im Frühjahr mit „Hammer & Michel“ sein erstes Rockalbum auf den Markt warf. Wer live nun eine Rockshow erwartet, liegt damit genauso falsch wie schon beim Album selbst: Mit einem mitreißenden Sammelsurium aus Rock, Hip-Hop, Reggae und Funk brachte der Hamburger am Donnerstag im Wiener Gasometer mit seiner Band Disko No. 1 (fast) alle zum Tanzen.

Rock hin oder her, Jan Delay hatte sie alle wieder dabei: Drums, Bass, Gitarre, Tasteninstrument, Bläser und das grandiose Background-Trio. Dass die elf Musiker und der selbst ernannte Chefstyler perfekt aufeinander abgestimmt sind, zeigt sich auch optisch, blitzt doch von den Bühnenpodesten bis zu den Kleidern der drei Sängerinnen und der Krawatte Delays Leopardenmuster auf. Abseits einer stimmigen Lichtshow verzichtet Delay auf Effekte, amüsiert sein Publikum dazwischen lieber mit je nach Song unterschiedlichen Tanzaufforderungen und einem Dance-Off von Sängerinnen vs. Bläsern.

Acht Jahre ist es her, dass der mit dem Trio Absolute Beginner bekannt gewordene Rapper Hip-Hop und Reggae verwarf und sich mit seiner Band Disko No. 1 dem Funk widmete. Auch am Donnerstag sind es die Hits der erfolgreichen Alben „Mercedes Dance“ und „Wir Kinder vom Bahnhof Soul“, die sofort ins Blut gehen: Bei „Feuer“ kocht die Halle, bei „Klar“ und „Disko“ bleibt kaum ein Fuß still. Viele Songs aus dem neuen Album finden sich im Programm, fügen sich mal mit dröhnenden Gitarrenriffs, dann Fanfaren, funkigen Adaptionen oder hier und da einem Reggae-Intro problemlos ein.

Die Rock-Huldigung „Wacken“, das eingängige „Sie kann nicht tanzen“ oder der Closer „St. Pauli“ offenbaren live einmal mehr ihr Hit-Potenzial, während sich „Action“ zum energetischen Auf-und-ab-Springen und „Liebe“ zur willkommenen Durchschnaufpause eignet. Ab und an blitzen die Absoluten Beginner durch, oder werden die Hip-Hopper Das Bo mit einer funkigen Version von „Türlich, Türich“ grandios gecovert. Gegen Ende fahren Delay und seine lässig-elegante Band die großen Geschütze mit dem live erprobten Cover-Medley aus u.a. „Song 2“ (Blur), „Fight For Your Right To Party“ und der eigenen Single „Vergiftet“ auf - inklusive Partyspiel „Freeze“, bei der mit Aussetzen der Musik auf und vor der Bühne alles stehen bleibt.

Einfrieren können sie gut, die Wiener - Party machen weniger. „Wir haben Liebe mitgebracht. Liebe für Wien“, verkündet Delay zu Beginn, und erwartet sich Gegenliebe per Handzeichen in Herzform. Im Laufe der etwa 100 Minuten Show hat der versierte Entertainer so einiges zu tun, bei seinen „Freunden der gepflegten Tanzmusik“ auch die letzten stocksteifen Beine in der Halle zum Bewegen zu bringen. Erst Delays direkte Aufforderung zum Ungehorsam an die Besucher in den Rängen, die teils unter dem strengen Regiment der Securities zum Sitzenbleiben gezwungen werden, zeigt bei „Oh Johnny“ Wirkung. Wie haben zuvor noch alle so schön im Chor gesungen: „Ich geb‘n Fick.“


Kommentieren