Neue Regeln für die Bienenzucht

Alice Rohrwacher gewann für „Land der Wunder“ in Cannes den Großen Preis der Jury.

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Innsbruck –Nach Jahrzehnten der Lethargie ist in diesem Jahr das italienische Kino wieder in das Bewusstsein der Welt zurückgekehrt. Paolo Sorrentino gewann mit „La Grande Bellezza“ den Auslandsoscar, Alice Rohrwacher eroberte mit „Land der Wunder“ beim Filmfestival von Cannes den Großen Preis der Jury. Dabei zehren beide Filme von der Wucht des italienischen Kinos, das in der Prä-TV-Ära noch Massen anlocken konnte. Sorrentinos Film über einen Gesellschaftskolumnisten war eine bildgewaltige Hommage an Federico Fellinis „La dolce Vita”, um von den Rätseln und Geheimnissen eines sich verändernden Landes zu erzählen. Alice Rohrwacher beschränkt ihre Hommage an Fellini auf die Namenswahl ihrer Protagonistin, die wie die Sklavin des Schaustellers Zampano in „La Strada” heißt.

Die elfjährige Gelsomina (Alexandra Maria Lungu) lebt mit ihren drei kleineren Schwestern auf einem Bauernhof in der Toskana, wo für ihre Eltern Angelica (Alba Rohrwacher) und Wolfgang (Sam Louwyck) einmal der Traum von einem besseren Leben begonnen hatte. Wolfgang beliefert die lokalen Märkte mit dem Honig seiner Bienen, zur alternativen Landwirtschaft der Familie gehört auch eine bescheidene Schafzucht, doch das Land hat sich längst in eine karge Steppe verwandelt. Aus diesem Regionendreieck zwischen Umbrien, Latium und der Toskana kommen die Regisseurin und ihre längst zum internationalen Filmstar avancierte Schwester Alba Rohrwacher, die in einem deutsch-italienischen Haushalt aufgewachsen sind.

Wenn Gelsominas Eltern ins Deutsche wechseln, sollen die Kinder von ihrem Zorn und dem Ernst der Lage verschont werden. Aber das ist eine Illusion wie die Verwirklichung von Träumen, für die die Welt keine Verwendung hat. In den neuen Verordnungen aus Brüssel über die hygienische und technische Ausstattung bei der Bienenzucht steht das Ende von Wolfgangs Betrieb schon festgeschrieben. Ein Hoffnungsschimmer könnte ein Wettbewerb für die TV-Show „Land der Wunder“ sein, für die Milly Catena (Monica Bellucci) originelle Agrarideen sucht. Die Jury lobt zwar Wolfgangs Honig, doch die Prämie gewinnt ein Bauer, der sich von der Landwirtschaft trennen und in den Tourismus investieren möchte. Dieses Vorhaben wird als originellste Idee belohnt.

Alice Rohrwacher besetzt mit „Land der Wunder“ kein neues Thema, aber sie setzt auf eindringliche Weise die italienische Tradition der ethnographischen Filme fort, die kulturelle Veränderungen beschreiben. Hier ist es einmal mehr der Ausverkauf eines Landes. (p. a.)

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