Fischer in Irland: Besuch im „Musterland unter den Krisenstaaten“

Dublin/Wien (APA) - Licht nach dem Tunnel: Das könnte die wirtschaftliche Lage Irlands beschreiben, wo Bundespräsident Heinz Fischer am Dien...

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Dublin/Wien (APA) - Licht nach dem Tunnel: Das könnte die wirtschaftliche Lage Irlands beschreiben, wo Bundespräsident Heinz Fischer am Dienstag mit WKO-Vizepräsident Richard Schenz ein Irish-Austrian Business Forum besucht. Bis Dezember 2013 stand Eire unter dem Euro-Rettungsschirm. Auch wenn die Probleme nicht vorbei sind: Mittlerweile ist immerhin vom „Musterland“ unter den Krisenstaaten der Eurozone die Rede.

In jenem Dezember 2013 sagte Regierungschef Enda Kenny von der Mitte-Rechts-Partei Fine Gael laut Medienberichten, sein Land werde nie wieder zu einer Kultur der „Spekulation und Gier“ zurückkehren. Er warnte aber gleichzeitig: „Unsere Leben werden sich nicht über Nacht ändern.“

Das mit einem maroden Bankensektor und einer Immobilienblase kämpfende Irland hatte im Jahr 2010 nach Griechenland als zweites Euroland um Hilfe gebeten. Es erhielt daraufhin Unterstützung von der Eurozone und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) in der Höhe von 67,5 Milliarden Euro. Weitere 17,5 Milliarden Euro brachte das Land selbst auf.

Im Gegenzug für die Hilfe verpflichtete sich Irland zu Steuererhöhungen, zum Verkauf von Staatsbesitz und zu Strukturreformen. Die Bevölkerung musste also so manchen Einschnitt hinnehmen.

Nun sieht auf der grünen Insel vieles wieder rosiger aus: Die irische Wirtschaft legte im zweiten Quartal überraschend kräftig zu. Zwischen April und Juni stieg das Bruttoinlandsprodukt um 1,5 Prozent. Finanzminister Michael Noonan wagte eine Wachstumsprognose: „Es dürften dieses Jahr rund 4,5 Prozent werden.“ Dennoch wird die Austeritätspolitik zumindest bis 2016 weitergehen.

Die Arbeitslosigkeit in Irland ist zwar mit rund 11,2 Prozent auf dem tiefsten Stand seit Ende der Finanzkrise, aber dennoch recht hoch, vor allem unter der Jugend. Wann der private Konsum wieder anspringt und sich dadurch neue Geschäftschancen ergeben, sei die Frage, heißt es daher seitens der Wirtschaftskammer (WKO). Dasselbe gelte auch für die Bauwirtschaft. Allerdings ließen sich auch viele staatliche Investitionen in die Infrastruktur nicht mehr auf die lange Bank schieben.

Österreichischen Firmen empfiehlt das „AußenwirtschaftsCenter Dublin“ daher, „den irischen Markt im Auge zu behalten, die sich bietenden Geschäftschancen zu erkennen und sich bereits jetzt für den Aufschwung in Stellung zu bringen“.

Neue Geschäftschancen würden sich speziell in den Bereichen Bau, erneuerbare Energie, Umwelttechnologien und urbane Technologien sowie Zulieferungen an die Pharma- und Lebensmittelindustrie ergeben. Beim Business Forum werden 200 Teilnehmer aus Irland erwartet. Aus Österreich sind rund 30 Firmen dabei. Größere Projekte haben derzeit die STRABAG, Bene und SWARCO im Laufen.

~ WEB http://wko.at ~ APA249 2014-10-03/12:20


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