E-Control erfreut über mehr Wettbewerb bei Gas und Strom

Wien (APA) - Bei Energie gibt es mehr Wettbewerb in Österreich - davon profitieren auch die Haushaltskunden, die mittlerweile im Osten zwisc...

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Wien (APA) - Bei Energie gibt es mehr Wettbewerb in Österreich - davon profitieren auch die Haushaltskunden, die mittlerweile im Osten zwischen 50 Strom- und 25 Gastarifen wählen können. Wie die durch die VKI-Aktion angekurbelten häufigeren Anbieterwechsel sieht E-Control-Vorstand Walter Boltz auch die jüngsten Strompreissenkungen positiv, kritisiert aber eine nach wie vor sehr hohe Marktkonzentration.

Die Preissenkungen - zuletzt per 1.10. bei der EnergieAllianz um bis zu 10 Prozent auf den Energieteil und bei switch um 11,2 Prozent - seien ein Indiz für die Verbesserung des Wettbewerbs. Im ersten Halbjahr wechselten mit 204.500 Strom- und Gaskunden so viele wie noch nie ihren Lieferanten, und an Produkten gebe es heuer um ein Drittel mehr als voriges Jahr. „Der Wettbewerbsdruck nimmt also zu, das ist positiv“, sagte Boltz am Freitag bei der Präsentation des neuen Marktberichts. Er gehe davon aus, dass noch weitere Anbieter aus dem Ausland nach Österreich kommen werden.

Angesichts der hohen Marktdominanz der großen Player gebe es noch einen erheblichen Nachholbedarf in Richtung mehr Konkurrenz. In ihren jeweils angestammten Regionen liegen die Marktanteile der „Top Drei“ bei Strom bei 57 Prozent und bei Gas sogar bei 65 Prozent. In einem funktionierenden Markt sollten die „Big 3“ aber auf maximal 40 Prozent Anteil kommen - das lasse sich aus wettbewerbsrechtlichen Analysen ableiten, sagte Boltz. Zur Lösung gebe es zwei Möglichkeiten: entweder der Verlust von Marktanteilen oder die Vergrößerung des Marktes, wie dies etwa der Verbund durch seine Auslandsaktivitäten (Markt Österreich/Deutschland) getan habe.

Speziell die Haushaltskunden würden vom Wettbewerb kaum profitieren. Industrieabnehmer bekämen Strom zu nur geringen Prozentaufschlägen auf die Großhandelspreise für Elektrizität, die sich derzeit bei 34 bis 35 Euro pro MWh bewegen würden. Der Haushaltskunde müsse aber meist 6 bis 8 Cent je kWh allein für die Energiekomponente zahlen, insgesamt - samt Netzkosten, Steuern, Abgaben - sind es dann um die 20 Cent/kWh, zeigt der Marktbericht.

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„Es gibt zwar erste Anzeichen einer Verbesserung, aber die durchschnittlichen Preise für Haushalte sind noch immer sehr hoch und die Margen der Versorger beträchtlich.“, stellte Boltz fest. Deshalb lägen die Haushaltsenergiepreise in Österreich auch im oberen Drittel der EU-28, bei Strom auf Platz 10, bei Gas sogar auf Rang 8. „Da waren wir schon einmal deutlich besser - von 2002 bis 2004 lagen wir im unteren Drittel.“

Künftig sollen auch Endkunden grenzüberschreitend Strom oder Gas einkaufen können, haben sich die europäischen Regulatoren auf ihre Fahnen geheftet, denn, so Boltz: „Wenn wir von einem Binnenmarkt in der EU reden, muss es auch ein Binnenmarkt für die Haushalte sein, nicht nur für den Großhandel, denn man kann ja auch Müsli oder Obst oder via eBay oder Amazon grenzüberschreitend einkaufen.“ Grenzüberschreitende Kaufmöglichkeiten für Strom oder Gas würden freilich eine Vereinheitlichung der Daten und Abläufe bedingen. „Die Unternehmen haben natürlich kein Interesse an einer Senkung dieser Hürden, wir wollen das aber ändern“, so Boltz, der auch Vizepräsident der europäischen Energieregulatoren (CEER) ist.

Zudem soll künftig auch die maximal zulässige Zeitspanne für einen Anbieterwechsel von derzeit drei Wochen in praktisch allen EU-Staaten auf 48 Stunden gesenkt werden in den kommenden Jahren, beim Mobilfunk gehe das ja auch sehr rasch.

Auch eine stärkere Interessensvertretung der Verbraucher auf EU-Ebene liegt den Regulatoren am Herzen. Derzeit seien die Konsumentenvertreter nur schwach eingebunden, was auch mit ihrer im Vergleich zu Industrieverbänden schlechteren Finanzierung zusammenhänge. Die Industrie könne heute etwa mit dem europäischen E-Wirtschaftsverband Eurelectric „auf Augenhöhe agieren, Konsumentenvertreter aber nicht, das ist auf Dauer nicht gut“.

Oesterreichs Energie, die Interessenvereinigung der heimischen E-Wirtschaft, begrüßte am Freitag, dass nun auch der Marktbericht der E-Control den funktionierenden Wettbewerb am heimischen Strommarkt zur Kenntnis nehme. Kritisiert wird aber, dass in einem Bericht der europäischen Regulatoren (CEER und ACER) gefordert werde, die Regulierung auch auf Stromhandel, Marktkopplung, Kapazitätsmärkte und andere Bereiche auszuweiten. Das wäre eine Gefahr für den freien Strommarkt in Europa und würde weitere hohe Bürokratiekosten bedeuten, warnte Generalsekretärin Barbara Schmidt.

~ WEB http://www.e-control.at ~ APA260 2014-10-03/12:35


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