Brezinschek: „Die draghische Geldpolitik wird tragisch enden“

Alpbach/Wien (APA) - „Die draghische Geldpolitik wird tragisch enden“, befürchtet Raiffeisen-Chefanalyst Peter Brezinschek. Die Geldpolitik ...

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Alpbach/Wien (APA) - „Die draghische Geldpolitik wird tragisch enden“, befürchtet Raiffeisen-Chefanalyst Peter Brezinschek. Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), deren Chef Mario Draghi ist, werde kein Wirtschaftswachstum aus dem Boden stampfen. Von der Geldpolitik als „universales Wunder“ sei nicht allzu viel zu erwarten, meinte Brezinschek am Freitag beim Alpbacher Finanzsymposium.

„Tragisch“ sei die Geldpolitik in mehrfacher Hinsicht. Einerseits wolle die EZB mit Wertpapierkäufen und Nullzinspolitik die schwache Kreditvergabe der Banken heben, das Wirtschaftswachstum fördern und gleichzeitig die Inflation ankurbeln. Doch das kann laut Brezinschek nicht funktionieren.

Die schwache Kreditnachfrage sei nämlich nicht nur eine Frage des Angebots. Die EZB könne da noch so viel Liquidität zur Verfügung stellen. Thema sei vielmehr der Engpass des Kapitals bei den Banken. „Man kann noch so viel ABS-Packages abverkaufen und Kredite in den Bauch der EZB verlagern. Wenn die Konjunktur schwach ist und die Unternehmen und Haushalte zu wenig Bonität haben, dann wird die Kreditnachfrage schwach bleiben“, so Brezinschek. Auch die „Enthebelung“, also die Verringerung des Schuldenstandes bei privaten und öffentlichen Einrichtungen, sei hinsichtlich Kreditnachfrage kontraproduktiv.

Weiters gibt Brezinschek zu bedenken, dass es bisher keine volkswirtschaftliche Theorie gibt, die der Geldpolitik einen Einfluss auf das langfristige Wachstum zugesteht. Kurzfristig sei dies nur bei Keynes der Fall, wenn Investitionen auf niedrige Zinsen reagieren. Derzeit befinde man sich aber in einer Liquiditätsfalle, wo die Ertragserwartungen der Unternehmen restriktive Kräfte ausüben.

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Momentan seien andere Sachen gefordert, etwa in der Wettbewerbs- und Investitionspolitik, in der Steuer- und Strukturpolitik oder bei der Entbürokratisierung. Zum Beispiel gehe es auch um die vernünftige Größe des Sektors Staat.

„Das Wirtschaftswachstum wird auf anderen Ebenen entschieden“, ist Brezinschek überzeugt. Das habe auch die Chefin der US-Notenbank Fed, Janet Yellen, nicht geschafft. In den USA sei Wirtschaftswachstum vielmehr durch vernünftige Bankensanierungen geschaffen worden - der Staat konnte sich wieder zurückziehen. Es seien deutliche Anhebungen der Gewinnmargen der US-Unternehmen gelungen, diese hätten sich markant aus dieser Situation herausarbeiten können. Bei europäischen Unternehmen sei dies schwieriger. „Wir haben keine einheitliche Eurozone. Einigen Ländern geht es gut, einige Länder wie Frankreich und Italien sind Sorgenkinder“, so Brezinschek.

Kritisch beäugt Brezinschek auch das Thema niedrige Inflation bzw. Angst vor Deflation. Er stellt es in Frage, ob hier wirklich von rationalen Erwartungen ausgegangen wird. Denn einerseits heiße es, dass rückläufige Preise für die Konjunktur ein gefährliches Szenario seien, da Kauf- und Verkaufsentscheidungen in die Zukunft verschoben werden, weil es dann billiger sei. Wenn das so stimme, müsste dies auch für den Zinssatz gelten, meint Brezinschek. Demnach könne ein Absenken der Zinsen keine Kreditnachfrage erzeugen, weil auch hier die Nachfrage - in Erwartung günstigerer Zinsen - in die Zukunft verschoben wird.

„Wenn diese Deflations-Argumentation schlecht für die Konjunktur ist, dann könne man auch nicht mit fallenden Zinsen die Kreditnachfrage stimulieren“, argumentiert Brezinschek. Wenn die Kreditnachfrage stimuliert werden soll, dann müsse am Horizont eine Zinserhöhung angekündigt werden, um jene hinter dem Ofen hervorzulocken, die warten.

Diese drei Ziele - Kreditnachfrage steigern, Wirtschaftswachstum fördern und Inflation ankurbeln - werde die EZB nicht mit ihrem derzeitigen Instrumentarium erreichen können. „Draghi wird Schiffbruch erleiden. Da sind zu viele Erwartungen drinnen“, so Brezinschek. „Die draghische Geldpolitik wird tragisch enden.“

~ WEB http://www.raiffeisen.at

http://www.ecb.int ~ APA323 2014-10-03/13:30


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