Skurril und verstörend: Bedwyr Williams im Salzburger Kunstverein

Salzburg (APA) - Es ist schon einige Zeit her, dass der Salzburger Kunstverein eine Ausstellung angeboten hat, die berührt, verstört und gef...

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Salzburg (APA) - Es ist schon einige Zeit her, dass der Salzburger Kunstverein eine Ausstellung angeboten hat, die berührt, verstört und gefangen nimmt. Die raumgreifende Video-Installation „Echt“ des walisischen Künstlers Bedwyr Williams ist zweifellos eine solche. „Echt“ besteht im Wesentlichen aus mehreren Videos, in denen Williams die Skurrilität in klaren Bildern und Szenen bis zum Exzess treibt.

Seit der Ire Seamus Kealy den Kunstverein leitet, kommen vermehrt irische und walisische Künstler ins Künstlerhaus. Der Presse wurde die Installation von Bedwyr Williams, die bereits in Mostyn (Nordwales), Glasgow und Dublin zu sehen war, heute, Freitagvormittag, gezeigt. Am Abend wird „Echt“ offiziell eröffnet, und morgen, Samstag, mit einem Künstlergespräch und ab 23 Uhr mit dem irischen DJ Donal Dineen gefeiert. Und dazu gibt es gute Gründe.

„Echt“ ist eine rätselhafte, aber konkret-greifbare Apokalypse. In gewaltig kraftvollen Bildern, vermischt mit Animationen, zeichnet Bedwyr eine düsteres Sittenbild der Verkommenheit, eine ebenso komische wie gnadenlose Analyse des moralischen, geistigen und gesellschaftlichen Verfalls. Da schwimmen Fische durch die Luft, da wird „verknotet Gehen“ zum Trend, da werden die Wichtigen der Gesellschaft zur Volksbelustigung zu rasenden Tanzschritten gezwungen oder - wahlweise - lebendig in Gartenhäuser gemauert, während sich böse Männer in grausamer Gesichtsgymnastik üben und eine Art Chor von schnarchenden Obdachlosen mit Matsch um sich spritzt und freundlich in der Krise tröstet.

„Echt“ ist Gesellschaftssatire und Selbstironie in einem und donnert in kraftvoll, klaren und definitiv nicht verwackelten Kunstbildern auf den Betrachter herab, der kaum weiß, wie ihm geschieht. Drei Videos laufen parallel, und selten in der jüngeren Ausstellungsgeschichte des Kunstvereins hat das erste Kunstwerk so eindeutig Lust vermittelt, auch das zweite und dritte anzuschauen.

Sogar der Umweg über das Kabinett lohnt sich mehr als üblich - dort hat Bea McMahon eine geruchsintensive und ästhetisch starke Skulptur gebaut. „Cover“ nennt sich das Werk der 42-jährigen Irin, die sich damit erstmals in Österreich präsentiert. Die Projektbeschreibung „Auseinandersetzung mit der regulatorischen Institution des Rechts“ liest sich sperrig. Aber zu sehen ist ein hartes Aufeinandertreffen natürlicher Wüstenlandschaft mit roten geometrischen Linien. Zusammen mit dem aus geflochtenem Hanf verlegten Boden umgibt „Cover“ den Betrachter auf außergewöhnlich sinnliche Weise. Ergänzt wir dieses skulpturale Projekt mit die Performance „Warped Wolf, Light Laws“ morgen, Samstag, um 16.30 Uhr.

(S E R V I C E - Ausstellung im Salzburger Kunstverein: Video-Installation „Echt“ von Bedwyr Williams sowie „Cover“ von Bea McMahon. Zu sehen von 3. Oktober bis 30. November im Künstlerhaus. Geöffnet von Dienstag bis Sonntag von 12.00 bis 19.00 Uhr. Samstag, der 4. Oktober: Performance „Warped Wolf, Light Laws“ um 16.30, „Künstlergespräch“ um 17.00 Uhr und DJ Donal Dineen um 23.00 Uhr. http://www.salzburger-kunstverein.at, 0662 / 84 22 94-0.)


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