Zweiter Ebola-Patient in Deutschland hat sich als Arzt angesteckt

Ein nächtlicher Ambulanzflug hat einen zweiten Ebola-Kranken nach Deutschland gebracht. Der Arzt hatte für eine Hilfsorganisation in der afrikanischen Krisenregion gearbeitet. In den USA wird weiter nach Kontaktpersonen eines Infizierten gesucht.

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Frankfurt am Main, Dallas, Freetown – Deutschland hat einen zweiten Ebola-Patienten aufgenommen. Der Arzt kam Freitag früh mit einem Ambulanzflug in Frankfurt an, wo er auf der Isolierstation der Uniklinik behandelt wird. Der Mann aus Uganda habe für eine italienische Hilfsorganisation gearbeitet und sich in Sierra Leone mit dem Ebola-Virus infiziert, sagte Hessens Gesundheitsminister Stefan Grüttner am Freitag in Wiesbaden.

Flug gut überstanden

Den Flug nach Frankfurt hatte der erkrankte Arzt in einem sogenannten Inkubationszelt verbracht. Der Infizierte sei zwar sehr angestrengt nach dem Flug, habe diesen aber den Umständen entsprechend gut überstanden, sagte der Leiter des Kompetenzzentrums Frankfurt, Professor Rene Gottschalk. Der Arzt sei in einem sehr ernsten, aber stabilen Zustand, sagte der Oberarzt der Infektiologie am Universitätsklinikum in Frankfurt, Timo Wolf. Seine Therapie bestehe „aus der Gabe von Flüssigkeit, der Unterstützung seines Kreislaufs, gegebenenfalls auch der Atmung und der Nierenfunktion“.

Am Donnerstag hatte sich den Flug zunächst verzögert, weil der Mann nicht transportfähig war. Die italienische Hilfsorganisation sei mit der Bitte um Hilfe über die Weltgesundheitsorganisation (WHO) an das deutsche Außenministerium herangetreten, erklärte Grüttner.

Im US-Bundesstaat Texas wird derzeit ein Mann behandelt, der sich in Afrika mit Ebola infiziert hatte. Er reiste in die USA, dort brach die Krankheit aus. Die US-Gesundheitsbehörden versuchen mit allen Mitteln, die Gefahr einzudämmen. Hunderte Mediziner und Helfer waren unterwegs, um Kontaktpersonen des Mannes zu finden, zu untersuchen und wenn nötig zu isolieren.

Vier enge Kontaktpersonen waren nach dem Fall in den USA sind in Quarantäne gekommen. „Es kann weitere Fälle geben, aber es wird keine Ausbreitung geben“, sagte der Chef der US-Zentren für Krankheitskontrolle (CDC), Tom Frieden. Der Mann hatte offenbar bei der Ausreise aus Liberia ein Infektionsrisiko verschwiegen. Er habe unter anderem fünf Tage vor seinem Abflug am 19. September einer an Ebola erkrankten schwangeren Frau beim Auftreiben medizinischer Versorgung geholfen. Sie sei wenig später gestorben.

NBC-Kameramann erkrankt

Wie der US-TV-Sender NBC News mitteilte, erkrankte ein in Liberia für den US-Sender arbeitender Kameramann an Ebola. Der aus den USA stammende Freiberufler werde zur Behandlung in die Vereinigten Staaten gebracht. NBC News zufolge war der Mann am Dienstag für Dreharbeiten in der Hauptstadt Monrovia engagiert worden. Die übrigen NBC-Mitarbeiter würden ebenfalls in die USA ausgeflogen und dort zunächst für drei Wochen unter Quarantäne gestellt, teilte die Chefin des Senders, Deborah Turness, mit.

Von der Ebola-Epidemie in Westafrika sind Guinea, Liberia und Sierra Leone am stärksten betroffen. Insgesamt sind in den drei Ländern nach Angaben der WHO bis zum 28. September 7.157 Erkrankungen (bestätigte und Verdachtsfälle) und 3.300 Todesfälle erfasst worden.

Weltweit tauchen immer wieder Gerüchte auf, wonach das Ebola-Virus leichter übertragen werden könnte als bisher angenommen. Das stimmt laut dem Leiter des Departments für Virologie der MedUni Wien, Franz X. Heinz, nicht: „An den möglichen Übertragungswegen durch Blut, Körperflüssigkeiten etc. hat sich nichts geändert. Bei Ebola-Viren gibt es keine Tröpfcheninfektionen wie bei Influenza durch respiratorische Sekrete (Niesen etc.). Das ist bei Ebola nicht der Fall.“ Natürlich könne das Virus aber bei Zwischenfällen mit kontaminiertem Material zu Ansteckungen führen. Heinz: „Aber es bleibt bei den primären Übertragungswegen, die bekannt sind.“ (APA/dpa)


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