Reparieren statt Wegwerfen

Was vor einem halben Jahr in Pill als kleines Repair Café angefangen hat, ist zu einer breiten Bewegung geworden. Alleine im Herbst gibt es elf Veranstaltungen in ganz Tirol.

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Von Michael Mader

Pill –Auf absolutes Neuland begab sich im März dieses Jahres Michaela Brötz von der Erwachsenenschule, als sie in Pill ein so genanntes Repair Café veranstaltete. Die Idee kommt aus den Niederlanden und richtet sich gegen das leichtfertige Entsorgen von defekten Dingen.

Defekte Toaster, Hosen mit aufgerissenen Nähten, wackelige Hocker, ein altes Fahrrad mit einem „Achter“. „Alles wandert bei uns auf den Müll. Und dabei könnten viele Dinge mit einer einfachen Reparatur noch instand gesetzt werden“, sagte Brötz vor ihrem Versuch, in Tirol auch ein derartiges Repair Café zu veranstalten. Das kleine Pilotprojekt in Pill war ein großer Erfolg und aus den ersten Anfängen ist mittlerweile eine breite Bewegung geworden: Alleine im Herbst dieses Jahres fanden und finden tirolweit elf Repair Cafés statt.

Entstanden ist das erste Repair Café, weil Brötz für die Erwachsenenschule eine Veranstaltung gesucht hat: „Es sollte etwas Knackiges, etwas Nachhaltiges sein, und so bin ich auf das Repair Café gekommen.“ Als Veranstalter fungiert immer eine Person, ein Verein oder eine Institution, vom Tiroler Bildungsforum gibt es inzwischen neben Informationen auch ein kleines Starterpaket mit Plakaten und Postkarten zum Verteilen. „In Bad Häring haben das Café die Grünen organisiert, in Kufstein das Talentenetzwerk, in Volders die Gemeinde und in Innsbruck der Verein HoRuck. Im Prinzip reichen mir aber eine engagierte Person und eine Handvoll Experten“, stellt Brötz fest.

Die nächsten Termine sind am 11. Oktober von 13 bis 16 Uhr im Medienraum der Volksschule Pill, am 18. Oktober von 14 bis 18 Uhr in der Orgelbauwerkstatt in Steinach am Brenner, am 25. Oktober von 14 bis 17 Uhr beim „Nadelöhr“ in Innsbruck und am 26. Oktober beim Tag der offenen Tür im Landhaus in Innsbruck. Rund 70 Prozent der Sachen können bei den Veranstaltungen wiederhergestellt werden. Brötz: „Im Durchschnitt haben wir auf dem Land in etwa 50 Reparaturen. Zwei Drittel fallen auf Elektrogeräte, der Rest sind Fahrräder und Textilien.“ Immer wieder würden sich Experten melden, die ehrenamtlich beim Reparieren helfen. Auch für diese sei es sehr zufriedenstellend, wenn sie wieder etwas geschafft hätten und viele würden auch gerne wieder einmal in der Gruppe „basteln“. Brötz hat deshalb auch schon eine ganze Datenbank mit Helden, wie sie von ihr liebevoll genannt werden.

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