IS - Krisengipfel der Nahost-Vertreter des Vatikan

Rom/New York (APA) - Im Vatikan findet seit Donnerstag ein Nahost-Krisengipfel statt. Papst Franziskus rief die diplomatischen Vertreter des...

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Rom/New York (APA) - Im Vatikan findet seit Donnerstag ein Nahost-Krisengipfel statt. Papst Franziskus rief die diplomatischen Vertreter des Heiligen Stuhls aus der Region zu dreitägigen Beratungen mit der Kurie zusammen. Im Fokus steht das Wüten der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) gegen Christen und andere Religionen.

Eingeladen wurden die Nuntii in Kairo, Tel Aviv/Jerusalem, Amman/Bagdad, Teheran, Beirut, Damaskus und Ankara. Weitere Teilnehmer an den Krisengesprächen sind laut Ökumenischer Stiftung Pro Oriente die Vatikan-Botschafter bei der UNO in New York und Genf und bei der EU in Brüssel, ferner Institutionen wie „Justitia et Pax“ und „Cor unum“. Seitens der Kurie sind Kardinal-Staatssekretär Pietro Parolin und „Außenminister“ Dominique Mamberti sowie der Präfekt der Missionskongregation und frühere Nuntius in Bagdad, Kardinal Fernando Filoni dabei. Filoni war unlängst als Sondergesandter des Papstes in den Nordirak gereist.

Kardinal-Staatssekretär Parolin hatte kürzlich vor der UNO-Vollversammlung in New York dazu aufgerufen, den Terrorismus an der Wurzel zu bekämpfen. Er forderte umfassende Integration der Zuwanderer, die Regierungen müssten besser mit der Zivilgesellschaft kooperieren. Parolin zog eine Parallele zwischen dem Islamisten-Terror und den totalitären Diktaturen des 20. Jahrhunderts. Ausdrücklich betonte er die „schwerwiegende Verantwortung“ der Religionsvertreter, den Terror zu verurteilen, der den Namen Gottes missbraucht. Gläubige aller Religionen müssten eine Instrumentalisierung der Religion zur Rechtfertigung von Gewalt entschlossen verurteilen.

Durch ein starkes Plädoyer für die Christen in Nahost hatte auch der jordanische König Abdallah II. vergangene Woche vor der UNO beeindruckt. Er bezeichnete die arabischen Christen als „wesentlichen Bestandteil der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft des Nahen Ostens“. Die christlichen Gemeinden gehörten als „grundlegende Komponente zur Geschichte des Orients“, sie seien dort keine Gäste oder gar Fremde. Jordanien sei ein Garant für die Bereitschaft des Islam, den Dialog mit anderen Religionen zu führen.

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Zuvor hatte der jordanische Monarch in Amman bei einem Treffen mit Vertretern der Regierung und der Zivilgesellschaft betont, trotz der sektiererischen Konflikte in der Region werde Jordanien auch in Zukunft eine „Oase der Sicherheit und Stabilität“ bleiben. Er wolle sich auch für die künftige Präsenz der arabischen Christen einsetzen. Intellektuelle, Religionsführer und Medienschaffende forderte der König auf, selbst Verantwortung zu übernehmen, wenn es um die Bekämpfung extremistischer Ideologien geht.

Der im Libanon residierende syrisch-katholische Patriarch Yousef III. Younan hatte bei der Jahrestagung der „Initiative Christlicher Orient“ (ICO) in Salzburg Ende September ebenfalls die Islam-Führer zu klarer Distanzierung von den Verbrechen der Islamisten aufgefordert. Es gelte, zu betonen, „dass man Menschen nicht töten darf, egal welcher Religion sie angehören“. Dies sei „ein schwerwiegendes Verbrechen und keineswegs gottgefällig“.


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