Demokratie-Proteste legen auch Hongkonger Luxusboutiquen lahm

Hongkong (APA/Reuters) - Die Massenproteste der Demokratie-Bewegung in Hongkong bekommen auch die Hersteller und Anbieter von Luxus-Waren in...

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Hongkong (APA/Reuters) - Die Massenproteste der Demokratie-Bewegung in Hongkong bekommen auch die Hersteller und Anbieter von Luxus-Waren in der asiatischen Wirtschaftsmetropole zu spüren. Denn sie fallen auf chinesische Feiertage, die für das Geschäft der Branche in Fernost so wichtig ist wie im Westen die Zeit von Weihnachten bis Neujahr.

Tourismusbüros befürchten, dass die Polizeieinsätze mit Tränengas, Schlagstöcken und Pfefferspray vielen Urlaubern aus dem Mutterland die Lust auf einen Shopping-Trip in die chinesische Sonderverwaltungszone verdorben hat. Sie schätzen, dass die Zahl der Urlauber aus China in der immer vom 1. bis 7. Oktober anstehenden „Goldenen Woche“ um rund 30 Prozent gesunken sein dürfte. Diese machen in der Zeit aber gewöhnlich 75 Prozent des Umsatzes in Hongkong aus. Die Chinesen zog es nun zur Einkaufstour offenbar eher nach Tokio, Singapur und Sydney.

In den vergangenen Tagen waren Zehntausende Menschen in der früheren britischen Kronkolonie mit Forderungen nach einer Wahlrechtsänderung und für mehr Demokratie auf die Straßen gegangen und hatten Teile des Geschäfts- und Finanzzentrums lahmgelegt. Es sind die schwersten Proteste seit der Übergabe der Macht an China 1997. Am Freitag lichteten sich die Reihen der Demonstranten allerdings etwas. Nach den kräftezehrenden Proteste dürften dazu auch das Regenwetter und die Rückkehr zum Arbeitsalltag nach zwei Feiertagen beigetragen haben.

Hongkong ist auch einer der wichtigsten Märkte für Luxusgüter weltweit. Er steht Experten zufolge für rund vier Prozent des weltweites Umsatzes in der Branche. Da die Goldene Woche rund einen halben Monatsumsatz ausmachen dürfte und am Markt davon ausgegangen werde, dass die Erlöse um rund 70 Prozent gesunken seien, dürften die betroffenen Geschäften nun etwa 200 Millionen Euro verloren haben, sagte Volkswirt Raymond Yeung von der ANZ-Bank.

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Solche Schätzungen lasteten zuletzt schwer auf den Aktien von Luxusgüterkonzernen. Die in Hongkong notierten Papiere des italienischen Mode-Konzerns Prada sackten in der abgelaufenen Woche um 2,7 Prozent auf den tiefsten Stand seit mehr als zwei Jahren ab. Die Titel der französischen Gucci-Mutter Kering büßten fast sechs Prozent ein. Der Kurs des britischen Trenchcoat-Edelmarke Burberry gab vier Prozent nach. Die Aktie des Schweizer Uhrenkonzerns Richemont, für den Hongkong ebenfalls einer der wichtigsten Absatzmärkte ist, verlor 3,7 Prozent.


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