steirischer herbst: Arpad Schilling konzipierte „The Party“ neu

Bad Gleichenberg/Brüssel (APA) - Eigentlich hätte Arpad Schillings Projekt „A Part - Die Partei - The Party“, das in Bad Gleichenberg im Rah...

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Bad Gleichenberg/Brüssel (APA) - Eigentlich hätte Arpad Schillings Projekt „A Part - Die Partei - The Party“, das in Bad Gleichenberg im Rahmen des „steirischen herbst“ aufgeführt wird, das Verhältnis der ungarischen Mittelklasse zur Macht beleuchten sollen. Doch nach den neuesten kulturpolitischen Entwicklungen entschloss sich der Regisseur, alles grundlegend zu ändern, hieß es am Samstag seitens des Festivals.

Der neue Titel lautet nun „The party is over - but we keep on going“. Grund für die Änderungen war unter anderem, dass der ungarische Schriftsteller und Literatur-Nobelpreisträger Imre Kertesz, ein Überlebender des Holocaust, mit dem Sankt-Stephans-Orden den höchsten ungarischen Staatsorden erhalten und angenommen hat. Es handelt sich dabei um jenen Orden, den schon Hermann Göring von Miklos Horthy in den 1940er-Jahren erhalten hatte.

Zudem wurde der ehemalige ungarische Justizminister Tibor Navracsics zum EU-Kommissar für Bildung, Jugend, Kultur und Bürgergesellschaft nominiert. „Ein Vertreter jener Regierung, die in den vergangenen Jahren Pressefreiheit, Bürgergesellschaft und kritische Kunst behindert hat, soll nun also genau für jene Zukunftsagenden in Europa zuständig sein. Arpad Schilling kam deshalb zum Schluss, dass eine analytische Annäherung nicht mehr möglich sei und verändert sein Stück radikal – eine extrem persönliche Meinung ist viel wichtiger“, hieß es in der Aussendung.

Dazu der Regisseur: „Wie kann man als denkender Mensch hier noch leben, mit der Angst, dass vielleicht ich selbst von einem Moment zum anderen den Verstand verliere und mich mit irgendeinem Orden verkaufe oder einer scheinbar edlen Geste. Die Neubearbeitung mit dem Titelzusatz ‚The Party is over – but we keep on going‘ ist ein Schrei, ein Hoffnungsschrei, dass wir vielleicht den europäischen Vorstoß dieser engstirnigen, zynischen und sehr gefährlichen Macht verhindern können.“


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