„Die Krim ist unser“: Neuer Film von Michalkow in Belgrad präsentiert

Belgrad (APA) - Der jüngste Film des russischen Oscar-Preisträgers Nikita Michalkow spielt auf der Halbinsel Krim und könnte damit kaum aktu...

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Belgrad (APA) - Der jüngste Film des russischen Oscar-Preisträgers Nikita Michalkow spielt auf der Halbinsel Krim und könnte damit kaum aktueller sein. Und auch wenn die Geschehnisse, mit welchen sich der Regisseur in „Sonnenstich“ befasst, weit zurückliegen, ist Michalkows Haltung heute eindeutig: „Was soll ich euch sagen: Die Krim ist unser“, erläuterte er bei einer Pressekonferenz in Belgrad am Freitagabend.

Die serbische Hauptstadt wurde für die Weltpremiere von „Sonnenstich“ gewählt. Die Grundlage für die Mischung aus Kriegsdrama und Liebesgeschichte in den Jahren 1907 bzw. 1920 stellt die gleichnamige Geschichte des russischen Schriftstellers Iwan Bunin dar.

Mit der Idee, den Film über die Weißgardisten, für welche die Krim die letzte Station in der Heimat vor der Auswanderung darstellte, zu drehen, habe er sich etwa 30 Jahre lang befasst, erzählte der bekannt Kreml-treue Michalkow. Die Dreharbeiten wurden 2012 aufgenommen, also weit vor der aktuellen Krim-Krise. Die ukrainische Halbinsel hatte sich nach einer umstrittenen Unabhängigkeitserklärung im Frühjahr erneut Russland angeschlossen.

Viele Weißgardisten haben in den frühen 1920er Jahren eine neue Existenz in Serbien gefunden. Für Michalkow ist das ein wesentlicher Grund dafür, den Film erstmals in Belgrad zu zeigen. Aber es geht auch um politische Allianzen. Die Premiere eines Films sei im Grunde wie dessen Geburt, erläuterte der Regisseur serbischen Medien gegenüber. „Den Geburtstag feiert man mit Freunden, daher in Belgrad und nicht in Brüssel.“ Serbien, ein EU-Beitrittskandidat, lehnt es hartnäckig ab, sich den EU-Sanktionen gegen Moskau anzuschließen.

Zur Premiere ließ sich am Freitagabend auch die serbische politische Elite blicken, u.a. Staatschef Tomislav Nikolic und mehrere Regierungsmitglieder, allerdings nicht Ministerpräsident Aleksandar Vucic. Im überfüllten Saal des Belgrader „Sava“-Zentrums mit rund 3.000 Plätzen saßen neben Filmliebhabern offensichtlich auch viele Anhänger Russlands und seiner Politik - auch jener in der Ukraine.

Die Frage, welche sich der Filmheld, ein russischer Weißgardist - gespielt wird er vom lettischen Schauspieler Martinis Kalima - immer wieder stellt, ist ein und dieselbe: Warum uns dies passiert? In einem Sammellager auf der Krim wartet er zusammen mit anderen Offizieren der Weißen Armee auf die Evakuierung und erinnert sich an eine märchenhafte Wolga-Fahrt vor 13 Jahren und an ein Liebesabenteuer.

Das Grundthema des Films sei ein slawisches. „Wir (Slawen) sind nicht fähig, aus unseren Fehlern zu lernen. Daher ist es notwendig, ans Ende zu gelangen, um sich erst dann nach den Ursachen zu fragen“, erläuterte Michalkow. „Dies ist auch heute eine aktuelle Frage“, meinte er in Anspielung auf die Ukraine-Krise.

Dass der dreistündige Film ein intensives Festivalleben haben wird, glaubt der Regisseur wohl nicht. Die Kommission des Filmfestivals von Venedig habe seine Anfrage nicht einmal beantwortet, erläuterte Michalkow. Seinen Verdacht, dass sich die Politik auch in den Sport und die Kunst einmische, sieht er dadurch bestätigt. Er sei nicht beleidigt, eher „lustig überrascht“ worden.

Allerdings war auch bei der Belgrader Premiere der Film für manch einen Zuschauer, der die Vorführung verließ, offenbar viel zu lang, zu langsam, allzu poetisch, und ja, schlicht allzu weit vom Lebenstempo entfernt.


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