Der Weg zurück zur Vollkommenheit

Bis Montag setzt Lindsey Vonn ihre Comeback-Schwünge im Ötztal in den Schnee. Noch (!) mit gedämpften Erwartungen.

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Von Roman Stelzl

Sölden –Da ist sie – und da ist sie fast schon wieder verschwunden. Eingekesselt von einer Menschentraube, von TV-Kameras, Journalisten, Gästen und Einheimischen. Die alpine Skiwelt hat ihren größten Star wieder: Lindsey Vonn. „Ich bin neun Monate nicht auf Skiern gestanden. Eine sehr lange Zeit. Aber jetzt fühlt es sich toll an, wieder hier zu sein. Ohne Skifahren fühle ich mich irgendwie nicht vollkommen“, sagt die 29-Jährige am Fuße des Rettenbachferners, nachdem sie sich kurz von ihren Fans losreißen kann. „Es ist schön, die Kinder zu sehen, wenn sie Selfies mit mir machen wollen. Und noch schöner finde ich es, dass sich alle an mich erinnern.“

Mit dem gestrigen Tag hat die 59-fache Weltcupsiegerin drei Schnee-Einheiten in den Beinen. Das Gefühl sei gut, die Freude riesig, auch die Belastung für das von einem Kreuzbandriss erholten rechten Knie scheint zu passen – aber für einen Antritt beim Auftakt-Riesentorlauf in Sölden (25. Oktober) reicht das nicht. „Ich habe über den Sommer vor allem im Kraftraum trainiert, aber für den Weltcup ist es zu früh. Mein erstes Rennen wird Lake Louise sein“, blickt Vonn auf den Speed-Auftakt in Colorado Anfang Dezember voraus.

Dass der vierfachen Gesamtweltcupsiegerin so wichtige Punkte für die Gesamtwertung entgehen, kümmert sie dabei nur wenig. Das sei gegenwärtig kein Thema. Nur nichts überstürzen – auch in Hinblick auf die Heim-WM im Februar 2015 in Beaver Creek und Vail.

In erster Linie geht es darum, wieder Vertrauen zu gewinnen – und deshalb trainiert sie auch außerhalb des US-Teams mit dem extra für sie abgestellten Coach Pascal Hasler. Der Vorarlberger formte einst die Liechtensteiner Tina Weirather zu einer Weltcupsiegerin und sieht sich nun mit einer noch größeren Aufgabe konfrontiert: Vonn wieder an die Spitze zu bringen. „Vom Medienandrang ist das alles viel größer. Aber ungeachtet dessen machen wir gute Fortschritte“, versichert Hasler, der mit Vonn noch zwei Trainingseinheiten in Sölden einlegt, ehe sie dem Ötztal den Rücken kehren. „Momentan sind die Pausen sehr wichtig. Wir haben fünf Läufe am ersten Tag, dann auf zehn erhöht, so wollen wir die Belastung langsam intensivieren. Nächste Woche geht es dann in die Schweiz nach Saas Fee, wo fünf Tage Training anstehen, ehe wir am 16. Oktober zurück in die USA fliegen“, ergänzt Hasler, der vor einer übergroßen Erwartungshaltung warnt. Auch US-Alpinchef Patrick Riml gibt zu bedenken, dass eine Rennbelastung kaum simuliert werden könne. „Wir müssen geduldig sein, unser Ziel lautet Lake Louise.“

Ob dort auch Vonns Freund, Golf-Legende Tiger Woods, auftauchen wird, blieb vorerst offen. „Es hängt von seinem Rücken ab. Wir machen deshalb noch keine Pläne“, lächelt Vonn zum Abschluss, ehe sie im Skistadion verschwindet. Nur die Lust auf die Rückkehr der Ski-Queen bleibt in der kleinen Menge zurück – und die ist so groß wie schon lange nicht mehr.


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